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Reallabore und Prototyping

Koop Kiez - Der Aufbau eines Kooperativen Quartiers

Ansprechpartner
Benjamin Gruzinski
Funktion Geschäftsführung Verein
Koop Kiez - Der Aufbau eines Kooperativen Quartiers.
Projektbeschreibung
Das Quartier rund um die Hüttenstraße ist durch eine heterogene Struktur geprägt – von Wohnhäusern bis zu ehemaligen Gewerbehallen. Es finden diverse informelle Nutzungen der wenigen Freiflächen statt, oft durch marginalisierte Gruppen. Durch die Ansiedlung des Kulturzentrums Initiative Hüttenstraße, Gleis D, und den Erwerb des MUZE-Geländes durch die Stadt Hannover entsteht eine neue Dynamik. Diese Akteure formen einen gemeinnützigen Verbund, der partizipative Stadtentwicklung vorantreibt. Die Initiative Hüttenstraße übernimmt eine Schlüsselrolle und entwickelt mit einem interdisziplinären Team ein kooperatives Quartier. Das Projekt gliedert sich in drei zentrale Bereiche: A) Bürgerforum Hüttenstraße Ein Forum wird aufgebaut, das über herkömmliche Stadtteilgrenzen hinausgeht und eine direkte Beteiligung der Anwohnenden ermöglicht. Es begleitet die Entwicklung der Freiflächen (ca. 5.000 m²) und berät die Verwaltung sowie Stadtplanungsprozesse. Die Initiative Hüttenstraße initiiert, moderiert und koordiniert dieses Forum. B) Kooperative Raumentwicklung Das Gelände von Gleis D und der Initiative Hüttenstraße wird als Modellprojekt für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung genutzt. Anwohner:innen können eigene Räume gestalten und nutzen. Vorbilder sind u. a. das Institut for X (Aarhus) und die NDSM-Werft (Amsterdam), die vormals ungenutzte Flächen durch kreative, selbstverwaltete und kooperative Strukturen in lebendige, offene Quartiere mit kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Nutzungen verwandelt haben. Nach diesem Prinzip entscheiden auch hier die Beteiligten über die gemeinsam entwickelten öffentlichen Flächen mit. Dabei entsteht ein neuer Typus von öffentlichem Raum, teils städtischer Stadtpark, teils zivilgesellschaftlich verwaltete Fläche. Die Prinzipien von Selbstermächtigung und Selbswirksamkeit treten dabei stark hervor, Menschen werden zu Teilhabenden, entwickeln eigene Projekte, vernetzen sich. C) Nachbarschaftsangebote Es entsteht ein dezentrales Netzwerk für nachbarschaftliche Projekte. Neben günstigen Raumnutzungen, Netzwerkarbeit und Beratung wird in den eigenen Räumen ein betreutes Nachbarschaftscafé als Treffpunkt eingerichtet. Menschen, Initiativen, Vereine und auch soziale Unternehmen mit niederschwelligen Angeboten für das Quartier können in den bestehenden Gebäuden sowie in eigens konzipierten kleinen Neubauten eigene Angebote schaffen und erhalten dafür Raumförderung und Unterstützung bei der Umsetzung.
Laufzeit
2025-10-01 00:00:00
Ausgangslage
Das Quartier rund um die Hüttenstraße ist durch eine heterogene Struktur geprägt – von Wohn- und Gewerbebauten bis hin zu ungenutzten Freiflächen. Trotz der hohen Bevölkerungsdichte (Vahrenwald: 87 P/ha; LHH: 27,2 P/ha) gibt es wenige öffentliche Räume, wodurch sich soziale Fragmentierungen verstärken. Besonders betroffen sind marginalisierte Gruppen, die informelle Flächen nutzen, da sie sonst kaum Orte für Begegnung haben. Zudem zeigen soziale Daten, dass Arbeitslosigkeit (8,7 % in Vahrenwald, 11,8 % in Hainholz), hoher Migrationsanteil (Hainholz: 65 %) und überdurchschnittliche Transferleistungsquote (Hainholz: 27,6 %) Herausforderungen für das Quartier darstellen. Die Initiative Hüttenstraße e.V. setzt hier an: Mit 150 Mitgliedern und 16 kooperierenden Vereinen entsteht ein großes soziokulturelles Zentrum, das Räume für kulturelle Teilhabe, Stadtentwicklung, Nachbarschaftshilfe und kreative Nutzung bietet. Als Testlauf wird aktuell ein 800 m² großer kooperativer Stadtplatz gemeinsam mit der Nachbarschaft entwickelt – ein erster Schritt hin zu einem nachhaltigen, kooperativen und gemeinschaftlichen Quartier. Das Projekt versteht sich als Modell für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Organisiert durch eine holokratische Struktur mit einem Kernteam von 30 Engagierten und 80 Unterstützenden, kombiniert es selbstorganisierte Prozesse mit gezielter Kooperation mit der Verwaltung. Durch die Anmietung einer weiteren Halle durch unsere Initiative und die Zusammenarbeit mit Gleis D und dem MUZE-Gelände entsteht eine neue quartiersübergreifende Mitte, die soziale und räumliche Barrieren aufbricht und den Grundstein für eine kooperative Quartiersentwicklung legt.
GWA/QM-Ansatz
Das Projekt setzt auf einen prozesshaften und kooperativen Ansatz, um neue Formen partizipativer Stadtentwicklung zu erproben, bei dem die Anwohnenden das Herz des Projektes sind. Dabei werden strukturelle Rahmenbedingungen geschaffen, die nicht nur unmittelbare Beteiligung ermöglichen, sondern langfristige Mitgestaltungsperspektiven für die Nachbarschaft eröffnen. Durch dialogorientierte Formate wird ein Aushandlungsraum etabliert, in dem unterschiedliche Akteur:innen Verantwortung für die Gestaltung ihres Quartiers übernehmen können. Hierbei wird besonderer Wert auf den Abbau bürokratischer Hürden sowie die Schaffung rechtssicherer, niedrigschwelliger Zugänge zu öffentlichen und gemeinschaftlich nutzbaren Flächen gelegt. Die räumliche Entwicklung des Quartiers folgt dabei einem experimentellen, adaptiven Prinzip, bei dem die Bewohner:innen des Quartiers im Zentrum stehen: Durch die Verbindung aus informellen Nutzungen und planungsrechtlicher Absicherung entsteht ein dynamisches Modell für gemeinwohlorientierte Stadtgestaltung. Flankierend wird eine nachhaltige Kommunikations- und Vernetzungsstruktur aufgebaut, die das Quartier als sozialen und kulturellen Möglichkeitsraum stärkt. Auf diese Weise wird nicht nur eine integrative Quartiersentwicklung angestoßen, sondern ein übertragbares Modell für kooperative Stadtgestaltung erprobt, das sich in bestehende Verwaltungs- und Planungsstrukturen einfügt, ohne die lokale Eigeninitiative zu beschränken.
Nachhaltigkeit
Unser Projekt wird durch Kooperationen mit der Stadt Hannover und lokalen Akteur:innen langfristig in kommunale Strukturen eingebunden. Dazu gehören formalisierte Vereinbarungen zur Mitgestaltung öffentlicher Flächen und die Verankerung des Bürgerforums als beratendes Gremium. Die Finanzierung basiert auf einem Mix aus selbsttragenden Nutzungsmodellen, öffentlichen Fördermitteln, und kommunaler Unterstützung, um eine nachhaltige, gemeinwohlorientierte Nutzung zu sichern.
Galerie
profilbild
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