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Methoden des globalen Lernens

Gemeinwesenarbeit Letter

Ansprechpartner
Easy Travnizek
Funktion Projektkoordination
Vom Wohnen am Rangierbahnhof zum Leben im Quartier
Projektbeschreibung
Gelegen zwischen Rangierbahnhof und Durchgangsstraße ist das Projektgebiet in Letter symptomatisch für einen eng besiedelten Vorort, in der Menschen zwar wohnen - aber nicht mit hoher Aufenthaltsqualität gemeinsam leben – geschweige denn ihr Umfeld gestalten können. Die fünf Straßenzüge sind zugebaut – nahezu ausschließlich Geschosswohnungsbau bestimmt das Bild. Wegen des Sanierungsstaus sind die Mieten noch vergleichsweise niedrig, daher wohnen vorwiegend Menschen mit geringem Einkommen im Viertel. Entsprechend finden sich viele Menschen im Leistungsbezug, unterdurchschnittlich wenige Senioren, dafür umso mehr Jugendliche, aber auch überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationsgeschichte. Auch die Stadt nutzt den günstigen Wohnraum für die dezentrale Unterbringung von Geflüchteten. Es herrscht somit eine Vielzahl von unterschiedlichen Soziallagen und Lebensbedingungen vor. Wenn unter Quartier ein sozialer Lebensraum verstanden werden soll, in dem Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf finden, sondern die Chancen und die Möglichkeiten haben sollen, ihr Lebensumfeld selbstwirksam und als Gemeinschaft eigenverantwortlich zu gestalten, dann muss auf diese Herausforderungen eingegangen werden. Es bedarf einer Aktivierung und Stärkung des nachbarschaftlichen Potentials der Bewohnerinnen und Bewohner. Dies soll durch die Einrichtung eines Gemeinwesenbüros erreicht werden. Dieses dient als zentrale Anlaufstelle bei Problemstellungen und Schwierigkeiten in der Nachbarschaft und als Treffpunt für Austausch, Gemeinsamkeit und Zusammenleben. Eine Fachkraft für Gemeinwesenarbeit steht zudem für Beratungen und Begleitung von lokalen Initiativen zur Verfügung. Ziel ist es, dass sich Bewohner:innen des Quartiers als selbstwirksam in der Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes wahrnehmen und dass sich ein starkes, integratives Gemeinwesen entwickelt, das die eigenen Stärken und Ressourcen für die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität im Quartier nutzt und strategisch einsetzt. Das Projekt umfasst drei Phasen, die sich auf die drei Projektjahre verteilen: 1. Kontextanalyse und Bedarfserhebung zur Stärkung der Selbstwirksamkeit und der Lebensqualität im Quartier 2. Ausgestaltung des Lebensumfeldes – auch in Kooperation mit benachbarten Quartieren 3. Ausbau und Stärkung der gewachsenen Nachbarschaftsstrukturen und Verstetigung der Koordination
Laufzeit
2024-10-01 00:00:00
Ausgangslage
Das Projektgebiet ist ein eng bebautes, reines Wohngebiet mit geringer Aufenthaltsqualität. Wegen des vorhandenen Sanierungsstaus sind die Mieten vergleichsweise niedrig und daher für Leistungsbeziehende und Geringverdienende erschwinglich. Der Anteil von Bedarfsgemeinschaften im SGB II-bezug im Quartier liegt deutlich über dem Ortsschnitt. Acht Prozent der im Stadtgebiet angemieteten dezentralen Wohnungen für die Unterbringung von Geflüchteten befinden sich in den zwei Hauptstraßen des Quartiers. Klassische Sozialwohnungen mit Belegrecht durch die Stadt gibt es nur vereinzelt. Eine hohe Fluktuation unter den Bewohnenden ist nicht auszumachen. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen ist hoch, der an Senioren über 65 hingegen deutlich unter dem Durchschnitt. Zudem gibt es einen sehr hohen Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte, die oft schon lange oder in der zweiten Generation in Deutschland leben. Die Wahlbeteiligung im Wahlbezirk, zu dem das Quartier gehört, lässt vermuten, dass politische Partizipation und Teilhabe keinen hohen Stellenwert genießen. Die Wirkungsbereiche der Bewohner:innen im Quartier sind äußerst eingeschränkt. Das Quartier dient derzeit daher nur als Ort des Wohnens, nicht als Ort der Versorgung oder der Freizeit und vor allem nicht als Ort der Begegnung und sozialen Interaktion. Das Gebiet zwischen Gerhart-Hauptmann- und Lange-Feld-Straße ist wenig attraktiv ist und bietet nur eine geringe Wohn- und Aufenthaltsqualität. Chancen zur Steigerung der gemeinsamen Lebensqualität bleiben ungenutzt, da Menschen eher anonym bleiben und sich keine proaktiven Nachbarschaftsinitiativen herausbilden. Dadurch kann auch keine soziale Integration erwachsen.
Projektgebiet
Gebiet-Name
Seelze Letter | Gerhart-Hauptmann-Str.
Beschreibung
Das Quartier umfasst die Gerhart-Hauptmann-Straße (ab Haus-Nr. 21) und die parallel verlaufende Lange-Feld-Str. (zwischen Haus-Nr. 70 bzw. 77 und 117) sowie die Verbindungsstraßen Weißer Brink, Blumestraße und Damaschkestraße. Das Quartier ist rund 10 Hektar groß und ist und umfasst überwiegend Geschosswohnungsbau mit vier bis neun Etagen. Die Häuser gehören Privatpersonen, vereinzelt auch Wohnungsgenossenschaften. Die Wohnungen sind zum überwiegenden Teil vermietet. In den meisten Gebäuden gibt es großen Sanierungsbedarf. Das Quartier ist eng bebaut. Mit rund 100 Einwohnern pro Hektar hat das Quartier ungefähr eine Einwohnerdichte wie die Innenstädte von Berlin oder Hamburg (wobei – zugegeben – das Quartier mit den Innenstädten deutscher Millionenstädte ansonsten nur bedingt vergleichbar ist). Zwischen den Gebäuden finden sich einfache Grasflächen, Garagenhöfe und vereinzelt Kiesgärten. Bepflanzte Gärten oder Orte mit hoher Aufenthaltsqualität gibt es keine. Das Quartier ist ein reines Wohnviertel, abgesehen von einem Ladengeschäft des Handwerkerrings gibt es kein Gewerbe. Im Westen schließt sich ein Discounter und wenige hundert Meter dahinter das große Fachmarktzentrum an, im Osten gibt es ein paar einfache Restaurants und Kneipen und einen Kiosk und in etwa einem Kilometer Entfernung den Ortskern von Letter. Im Süden grenzt das Quartier hinter einer graffiti-verzierten Mauer direkt an die Bahnlinie und den Rangierbahnhof Seelze, im Norden an die viel befahrene Durchgangsstraße. Zentrum und einzig öffentlicher Raum im Viertel bildet der Spielplatz mit dem angrenzenden Bolzplatz. Der Spielplatz bietet moderne Spielgeräte für kleinere Kinder und bietet auch Platz für begleitende Erwachsene. In einem Spielplatz-Test durch Seelzer Kinder organisiert von Stadtentwicklung und Jugendpflege erhielt der Spielplatz mittlere Bewertungen. Der Bolzplatz ist hoch eingezäunt und mit einem Netz abgedeckt, um zu verhindern, dass Bälle auf die Bahnanlagen fliegen. In den Nachmittagsstunden wird der Bolzplatz durch Kinder zum Fußballspielen genutzt. Bolzplatz wie Kinderspielplatz dürfen gemäß Ausschilderung von Kindern bis zu 14 Jahren genutzt werden. Plätze, an denen sich Jugendliche aufhalten können, gibt es im Quartier keine.
Einwohnerzahl
1011
Quelle / Anmerkungen
Einwohnermeldedaten
Stadttyp
Mittelstadt
Programmgebiet Sozialer Zusammenhalt
Off
Merkmalswerte
Projektgebiet in Prozent
15
Gesamtstadt in Prozent
13
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Zahlen im Projektgebiet ermittelt auf Basis der Einwohnermeldedaten. Zahlen der Gesamtstadt geschätzt auf Basis der Daten des Sozialmonitorings der Region Hannover.
Projektgebiet in Prozent
15
Gesamtstadt in Prozent
11
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Anteil 15-16-Jährige: Zahlen im Projektgebiet ermittelt auf Basis der Einwohnermeldedaten. Zahlen der Gesamtstadt geschätzt auf Basis der Daten des Sozialmonitorings der Region Hannover.
Projektgebiet in Prozent
20
Gesamtstadt in Prozent
25
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Zahlen im Projektgebiet ermittelt auf Basis der Einwohnermeldedaten. Zahlen der Gesamtstadt geschätzt auf Basis der Daten des Sozialmonitorings der Region Hannover.
Projektgebiet in Prozent
10
Gesamtstadt in Prozent
6
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Der Arbeitslosenanteil im Projektgebiet liegt geschätzt deutlich über dem Anteil der Gesamtstadt. Dieser basiert auf Daten des Sozialmonitorings der Region Hannover.
Projektgebiet in Prozent
7
Gesamtstadt in Prozent
4
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Gemäß Sozialmonitoring der Region Hannover beträgt der Anteil junger Arbeitslosen zwischen 15 und unter 25 Jahren 3,8 Prozent - die Jugendarbeitslosenquote 15 bis unter 25 Jahren der BA liegt bei 7,3 Prozent. Nach Erfahrungen im Quartier wird der Anteil dort geschätzt höher liegen als in der Gesamtstadt.
Projektgebiet in Prozent
40
Gesamtstadt in Prozent
24
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Zahlen im Projektgebiet geschätzt auf Basis von Stichprobenerhebungen. Zahlen der Gesamtstadt entnommen dem Sozialmonitoring der Region Hannover.
Projektgebiet in Prozent
30
Gesamtstadt in Prozent
16
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Daten der Gesamtzstadt sind dem Sozialmonitoring der Region Hannover entnommen. Daten des projektgebiets sind geschätzt aus Basis von Stichprobenerhebungen.
Projektgebiet in Prozent
55
Gesamtstadt in Prozent
35
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Daten der Gesamtzstadt sind dem Sozialmonitoring der Region Hannover entnommen. Daten des projektgebiets sind geschätzt aus Basis von Stichprobenerhebungen.
Unterlagen zum Gebiet
Programmgebiet Sozialer Zusammenhalt
Off
GWA/QM-Ansatz
Mit dem Projekt wollen wir Menschen unterstützen, ihre Lebensbedingungen zu analysieren und zu bearbeiten, und das Quartier zu einem lebendigen Identifikations- und Handlungsraum zu machen. Viele Problemlagen wirken im Quartier auf das Gemeinwesen (anonymes Wohnen, geringe Aufenthaltsqualität) und können nur vom Gemeinwesen verändert werden (Austausch, Teilhabe, Zusammenleben). Das Projekt umfasst 3 Phasen: 1. Das Quartier verstehen (Kontextanalyse), 2. Das Quartier stärken (GWA-Maßnahmen), 3. Das Quartier ermächtigen (Projekt verstetigen) Zunächst gilt es, Bedarfe, Herausforderungen, Stärken und Schwächen herauszuarbeiten. Dieser partizipative Prozess (vielen Einzelerhebungen, wie Veranstaltungen, Befragungen, Gespräche, Beratungen) stärkt bereits die Zusammenarbeit. In dieser Phase wird auch das GWA-Zentrum eingerichtet. Der Übergang aus Bedarfe erkennen und bearbeiten erfolgt i.d.R. fließend – auch die Phasen gehen ineinander über (und aus der Erhebung wird ein kontinuierliches Monitoring). Im Quartier gibt es buchstäblich wenig Platz für räumliche Entwicklung. Konkrete Kultur- oder Freizeitangebote sollen daher ggf. zusammen mit anderen Quartieren umgesetzt werden. „Gute Nachbarschaft“ heißt für uns einerseits, im Quartier nachbarschaftliche Strukturen zu fördern. Auf einer übergeordneten Ebene wird aber auch die Nachbarschaft des Quartiers einbezogen. Im 3. Jahr soll die Unterstützung der GWA im Quartier verstetigt und ggf. auf andere Quartiere ausgeweitet werden.
Qualitätskriterien
Beschreibung
Kontext- und Bedarfsanalyse (div. Methoden, Vollerhebung) hat stattgefunden, um a) Anliegen/Inhalte und b) Motivation für Engagement zu identifizieren. Bedarfe werden partizipativ priorisiert und bearbeitet. Ein gemeinsames Monitoring findet statt.
Beschreibung
Ein Ort und materielle und immaterielle Ressourcen für GWA stehen zur Verfügung. Maßnahmen Kapazitätsentwicklung finden statt und sind wirksam. Gruppen oder Nachbarschaften finden und organisieren sich.
Beschreibung
Kapazitäten wurden im Rahmen der partizipativen Kontext- und Bedarfsanalyse identifiziert. Stärken und Herausforderungen sowie förderliche und hinderliche Einflussfaktoren sind identifiziert und werden in die Maßnahmenentwicklung einbezogen.
Beschreibung
Zielgruppen sind grundsätzlich möglichst divers vertreten. Gegenseitiges Verständnis besteht, Respekt und Solidarität sind handlungsleitend. Minderheiten-Interessen werden einbezogen. Alters,- milieu- und kulturübergreifende Kommunikation findet statt.
Beschreibung
Das Projekt wird fachbereichsübergreifend in der Stadtverwaltung wahrgenommen. Mitarbeitende verschiedener Ressorts sind an der Umsetzung von GWA-Maßnahmen aktiv und initiativ beteiligt. Gegenseitige Wechselwirkungen werden bearbeitet.
Beschreibung
Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Institutionen und Organisationen findet statt. Wirkungen des Projekts lassen sich bei Zielgruppen der Koop.-Partner messen. Ein Austausch mit neachbarten Quartieren oder Infrastrukturelementen findet statt.
Beschreibung
Ein gemeinsames Verständnis von Nachbarschaft ist evaluierbar und wird von den Zielgruppen wertgeschätzt. Gegenseitige Kooperationsstrukturen und gemeinsame Initiativen von Nachbarschaften finden statt.
Vernetzung im Gebiet
Akteur (Freitext)
Stadt Seelze
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Soziale Dienste, Stadt Seelze
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Jugendbildungshaus Letter
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Mobile Arbeit und Jugendpflege Stadt Seelze
Typ
Stadtteil
Akteur
Akteur (Freitext)
Letter fit – Miteinander – Füreinander e.V.
Typ
Stadtteil
Akteur
Akteur (Freitext)
SG Letter 05
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
"Bürgerhaus" Letter Treff
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
DRK Letter
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Malteser Hilfsdienst in Letter
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Ecki – Integrationszentrum Seelze
Typ
Stadtteil
Akteur
Akteur (Freitext)
Seelzer Brotkorb e.V.
Typ
Stadtteil
Akteur
Akteur (Freitext)
Nachbarschaft aktiv Letter e.V.
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Michael Letter
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Kath. Kirchengemeinde St. Maria vom Heiligen Rosenkranz
Typ
Stadtteil
Nachhaltigkeit
Die Stadt Seelze ist im Stadtgebiet mit der allg. Sozialarbeit sowie der Integrations-, Familien-, Senioren- und Jugendarbeit mit mehr als 20 Sozialarbeiter:innen und anderen Fachkräften tätig. Aufbau und Ausgestaltung eines GWA-Projekts in einem Stadtteil sind bei der derzeitigen Arbeitsbelastung nicht möglich - die Betreuung und Begleitung eines laufenden, verstetigten Projekts kann jedoch bewältigt werden - vor allem, wenn stabile Institutionen und Kooperationen aufgebaut worden sind.
Videos
Zustimmung Veröffentlichung
On