Das Projekt stärkt Beteiligung, Orientierung und soziale Vernetzung im Stadtteil Eversten durch den Aufbau einer niedrigschwelligen Ansprech- und Vernetzungsstruktur. Ausgangspunkt ist die Zusammenarbeit mit Integration e.V. als lokal verankertem Akteur, über den zentrale Zugänge zu Bewohner:innen im Quartier bestehen, die bestehende Zugangs- und Beteiligungslücken im Projektgebiet sichtbar machen und über Netzwerke erweitert werden. Im Zentrum steht ein partizipativer Ansatz, der analoge Beteiligungsformate mit digitaler Unterstützung verbindet. Aufbauend auf der Erfahrung mit projektbasierten Formaten wie Hackathons werden diese gezielt in den Sozialraum übertragen. Bewohner:innen entwickeln eigene Ideen für ihr Quartier und durchlaufen exemplarisch Beteiligungsprozesse – von der Formulierung eines Anliegens über die gemeinsame Priorisierung bis hin zu ersten Umsetzungsschritten und der Identifikation relevanter Ansprechpersonen. Gleichzeitig dienen diese Formate der kontinuierlichen Bedarfserhebung: Themen und Herausforderungen werden im direkten Austausch sichtbar gemacht, gemeinsam reflektiert und sowohl vor Ort als auch digital dokumentiert. Beteiligung und Bedarfserhebung greifen dabei ineinander und bilden die Grundlage für die Entwicklung konkreter Maßnahmen im Quartier. Beteiligung wird so nicht abstrakt vermittelt, sondern praktisch erfahrbar gemacht. Dadurch entstehen Orientierung, Selbstwirksamkeit und ein Verständnis dafür, wie Mitgestaltung im eigenen Lebensumfeld funktioniert. Indem Teilnehmende lernen, Informationen einzuordnen, Optionen abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, wird zugleich ihre Fähigkeit gestärkt, sich sicher im Alltag zu orientieren und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Förderung digitaler Gesundheitskompetenz und somit zur Stärkung demokratischer Handlungsfähigkeit im Quartier. Die Plattform „Take Your Space“ ergänzt diesen Prozess als digitale Struktur: Sie dokumentiert Themen und Entwicklungen, ermöglicht Rückmeldungen und schafft Anschlussmöglichkeiten über einzelne Formate hinaus. Analoge und digitale Beteiligung werden so zu einem fortlaufenden Beteiligungsraum verbunden. Durch die Qualifizierung von Multiplikator:innen werden Bewohner:innen und lokale Akteure befähigt, eigene Formate umzusetzen und als Brücken zwischen Quartier, Einrichtungen und Verwaltung zu wirken. So entstehen tragfähige Strukturen, die Beteiligung langfristig im Quartier verankern.
Ausgangslage
Rückmeldungen aus der Praxis durch den lokal verankerten Träger Integration e.V. zeigen, dass in Eversten (Bezirk 5b - 551) trotz bestehender Angebote viele Bewohner:innen vorhandene Strukturen nur eingeschränkt nutzen, weil Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten nicht als zusammenhängendes System wirken. Besonders für Menschen mit Zuwanderungs- und Fluchtgeschichte bestehen zusätzliche Hürden. Sprachliche Barrieren, fehlende Orientierung und Unsicherheiten im Umgang mit Institutionen führen dazu, dass Angebote nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden. Dies betrifft auch den Zugang zu Informationen und Unterstützungsangeboten im digitalen Raum, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Digitale Medien prägen Informationsverhalten, Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Teilhabe. Studien zur digitalen Gesundheitskompetenz zeigen, dass Unsicherheiten im Umgang mit Informationen, Desinformationen und digitalen Belastungen insbesondere bei sozial benachteiligten Gruppen stärker ausgeprägt sind. Geringe Gesundheitskompetenz wirkt sich damit nicht nur auf Wohlbefinden und Stressverarbeitung aus, sondern beeinflusst auch Teilhabe und Beteiligung im Quartier. Wer Informationen schwer einordnen kann oder sich im digitalen Raum unsicher fühlt, zieht sich eher zurück und nutzt vorhandene Strukturen weniger. Gleichzeitig entsteht Gesundheitskompetenz im Zusammenspiel mit Selbstwirksamkeit, sozialer Einbindung und aktiver Beteiligung. Es besteht daher Bedarf an Formaten, die diese Zusammenhänge im Quartier aufgreifen, Zugänge verbessern und Bewohner:innen darin stärken, sich sicher zu orientieren, informierte Entscheidungen zu treffen und ihr Lebensumfeld aktiv mitzugestalten.
Ansatz und Methodik
Das Projekt verfolgt den Ansatz der Gemeinwesenarbeit, indem es an den Lebenslagen, Interessen und Ressourcen der Menschen im Quartier ansetzt und deren Handlungsfähigkeit sowie Beteiligung stärkt. Ausgangspunkt ist die direkte Arbeit im Sozialraum, insbesondere über den lokal verankerten Akteur Integration e.V., von dem aus weitere Zielgruppen, Orte und Netzwerke im Stadtteil erschlossen werden.
Im Mittelpunkt steht die Aktivierung und Einbindung von Bewohner:innen: Bedarfe werden gemeinsam sichtbar gemacht, priorisiert und in konkrete Maßnahmen überführt. Dabei geht es nicht nur um die Umsetzung einzelner Angebote, sondern um die Stärkung von Selbstorganisation, Mitgestaltung und gemeinschaftlicher Problembearbeitung im Quartier.
Zugleich übernimmt das Projekt zentrale Funktionen des Quartiersmanagements, indem es bestehende Strukturen verbindet, Informationen bündelt und den Austausch zwischen Bewohner:innen, lokalen Einrichtungen und kommunalen Akteuren unterstützt. Es wirkt als niedrigschwellige Schnittstelle, die Orientierung bietet, Zugänge erleichtert und Kooperationen im Quartier stärkt.
Durch die Kombination aus aufsuchender Arbeit, Beteiligungsformaten, Multiplikator:innen-Ansatz und digitaler Unterstützung entsteht eine belastbare Struktur, die langfristig im Quartier verankert werden kann und über die Projektlaufzeit hinaus Wirkung entfaltet.