1. Ansprechpartner
Ansprechpartner
Anna Holland
| Funktion | Dipl. Sozialpädagogin/ Quartiersmanagerin |
|---|
2. Kurzbeschreibung
Entwicklung und Ausbau von Nachbarschaft und sozialer Netze im Quartier um ein "Wir Gefühl" zu stärken und Diskriminierung zu vermeiden
Projektbeschreibung
Im Projektgebiet leben 9,5 % der Einwohner*innen der Kernstadt von Northeim mit insgesamt 19.000 Einwohner*innen. In dem Quartier leben eher wirtschaftlich schwache Gruppen (v.a. Russlanddeutsche, Ausländer aus Osteuropa und dem Mittelmeerraum), die sich voneinander abgrenzen. Russlanddeutsche sind in den 90er Jahren ins Quartier gezogen und wohnen noch heute dort. Neue Nachbarn werden kaum akzeptiert. In der Folge entstehen zwischen diesen kulturellen Microcosmen Alltagskonflikte innerhalb des Quartiers.
Das Caritas-Centrum liegt am Rande des Quartiers. Aufgrund der Nähe zum Quartier kommen viele Menschen aus diesem Quartier zur Caritas in die Sozial- und Lebensberatung, die Schwangeren- und Familienberatung und um Second-Hand-Kleidung im Caritex-Laden zu kaufen.
Neben dem Quartiersbezug ist die Partizipation ein weiteres grundlegendes Kriterium bei der Planung und Umsetzung dieses Projektes. Ein Quartier lebt von Beteiligungsmöglichkeiten. Diese Erfahrung bringt die Caritas ein durch lange Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Flüchtlingen. Die Menschen sollen diverse Kommunikationsanlässe bekomme um eine offene Nachbarschaft zu entwickeln. Eine Anlaufstelle soll direkt im Quartier eingerichtet werden, um Nähe für die Bewohner*innen im Quartier zu signalisieren. Gruppenübergreifende Kontaktmöglichkeiten sollen angeboten werden wie z. B.: Tauschmarkt, Flohmarkt, Bürgerfrühstück, Urban gardening. Kontakte alleine führen nicht per se zum Abbau von Vorurteilen, vielmehr ist die Art und Qualität des Kontaktes entscheidend. Wir planen mit dem Projekt, dass die Beteiligten gemeinsame Identifikationsmuster herausbilden können und Empathie und gegenseitiges Vertrauen fördern. Die Aktivierung und Beteiligung der Bewohner*innen des Quartiers an diesem Prozess ist handlungsleitend. Ein weiterer Handlungsstrang für das Projekt ist die Vernetzung der Organisationen und Akteure im Quartier und deren Unterstützung. Dazu zählen z. B. die Stadt Northeim mit den Sportstätten, die Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Northeim“, die Northeimer Tafel, die Kita Ostpreußenstraße, die Kita St. Marien.
Seitens der Stadt Northeim wird geplant im Rahmen des Neubaus der Sporthalle einen Sportcampus im Quartier zu errichten. Diese positive städtebauliche Entwicklung soll durch sozial flankierende Maßnahmen unterstützt werden. Die Ergebnisse dieses Projektes sollen bei der Fortschreibung des Konzeptes der Stadtentwicklung Northeim analysiert und berücksichtigt werden.
Laufzeit
2022-10-01 00:00:00
3. Ausgangslage
Ausgangslage
In den Beratungsdiensten des Caritas-Centrums Northeim ist der hohe Hilfe- und Informationsbedarf sowie die prekäre Lebenssituation von Menschen aus diesem Quartier aufgefallen.
Das Quartier zwischen Eisenbahn und Rhume ist geprägt von Risiken und Chancen durch das Aufeinandertreffen von benachteiligten Menschen und Menschen in gesicherten Lebenslagen. So suchen zugezogene Familien Anschluss; in den letzten Jahren vermehrt Flüchtlinge. Fehlende Sprachkenntnisse sind eine starke Barriere um Kontakte im Quartier zu knüpfen ebenso die Ablehnung und Ängste der alteingesessenen Bewohner. Von dieser sozialen Diskrepanz und Veränderung berichtete eine Mitarbeiterin des Caritas-Centrums Northeim, die in diesem Quartier vor 20 Jahren aufgewachsen. Durch ihre privaten Kontakte ins Quartier erfährt sie davon, dass neue Nachbarn ausgegrenzt und stigmatisiert werden. Die ehrenamtlichen "Erziehungslotsen" der Caritas in dem Quartier bestätigen dieses.
Das Mietniveau in vielen Mehrfamilienhäusern liegt auf Ebene von SGB II, SGB XII bzw. AsylbewerberLG. Dadurch ziehen vermehrt Menschen in dieses Quartier, die sich in prekären Lagen befinden; in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Migrationshintergründen.
Anwohner berichten, dass es gehäuft zu nachbarschaftlichen Konflikten kommt und dass es auf den Grünflächen schon lange keine gemeinschaftlichen Aktionen mehr gibt. Die unterschiedlichen Communitys leben nebeneinander her was die Vorurteile noch verstärkt.
Durch Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie berichten Menschen von Vereinsamung durch fehlende Begegnung aber auch durch das Alter. Vertraute Beziehungen sind abgebrochen, neue konnten nicht geknüpft werden.
5. Schwerpunkte
Handlungsfelder
Zielgruppe
Schwerpunkte
6. Projektgebiet
Projektgebiet
Gebiet-Name
Northeim - Nordstadt zwischen Eisenbahn und Rhume
Beschreibung
Das Quartier zwischen Eisenbahn und Rhume, Berliner Allee und Rückingsallee, Breiter Weg und Gardekürassierstraße, ist geprägt von einer heterogenen Struktur:
ein verzweigtes Wohngebiet mit verschiedenen Gewerbebetrieben und Micropublics; öffentliche und halböffentliche Begegnungskontexte wie z. B. Schulen, Kitas und Sportzentren, wo Menschen aufgrund gemeinsamer Interessen aufeinandertreffen. Dazu gehören die Northeimer Tafel, 1 Oberschule, 3 Kitas, 1 Sportverein, 1 Moschee, 1 Freikirche, städtische Schwimmhalle und Sporthalle, 1 Spielplatz. Das Wohngebiet setzt sich zusammen aus älteren und neuen Einfamilienhäuser, Reihenhäusern sowie Mehrfamilienhäuser, alteingesessene Familien und Einzelpersonen. In den letzten Jahren sind vermehrt Flüchtlinge in dieses Quartier gezogen.
70 % der Menschen in diesem Quartier sind im mittleren Alter zwischen 26 und 60 Jahren. Sie bilden damit die größte Gruppe.
Im Projektverlauf möchten wir alle Menschen im Quartier erreichen. Das Quartier wirkt sich einerseits als gebaute und geographische Umwelt auf die Lebensbedingungen von Menschen aus, andererseits durch die aktiv oder passiv handelnden Menschen.
Die individuelle und kollektive soziale Prägung in diesem Quartier kann durch die bauliche Umwelt unter dem Stichwort der räumlichen Funktionslogik gefasst werden - lebe ich in einem Einfamilienhaus oder einem schlichten Mehrfamilienhaus. Sie hat Auswirkungen auf Chancen und Teilhabe in der Gesellschaft.
Die bauliche Gestaltung des Quartiers verweist auf: Wohnen, Schlafen, Arbeiten – Soziokulturelles Leben im öffentlichen Raum ist nach diesem Prinzip nicht vorgesehen. Die Sportstätten am Rande des Quartiers haben keinen Quartiersbezug und tragen nicht dazu bei, Zusammenhalt im Quartier zu fördern. Dieses Quartier ist von Diverisität geprägt und ist damit auch ein konflikthafter sozialer Raum. Umso wichtiger ist die „Identifikation“ mit dem Quartier. Mit dem Projekt sollen verschiedene Formen der Integration angeregt werden. Teilhabe und Chancengleichheit im Quartier ist für Menschen in sozial prekären Lebenslagen schwer zu erlangen, da die normative Form der gesellschaftlichen Einbindung durch Erwerbstätigkeit häufig fehlt.
Einwohnerzahl
1848
Quelle / Anmerkungen
Einwohnermeldeamt erhoben 15.03.2022
Stadttyp
Mittelstadt
Programmgebiet Sozialer Zusammenhalt
Off
Merkmale
Merkmalswerte
Merkmal
Projektgebiet in Prozent
12
Gesamtstadt in Prozent
16
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Einwohnermeldeamt erhoben 15.03.2022
Merkmal
Projektgebiet in Prozent
11
Gesamtstadt in Prozent
13
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Einwohnermeldeamt erhoben 15.03.2022
Projektgebiet in Prozent
11
Gesamtstadt in Prozent
25
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Einwohnermeldeamt erhoben 15.03.2022
Projektgebiet in Prozent
8
Gesamtstadt in Prozent
33
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Einwohnermeldeamt erhoben 15.03.2022
Merkmal
Projektgebiet in Prozent
0
Gesamtstadt in Prozent
5
Sonstige in Prozent
0
Anmerkung
Statistik Arbeitsagentur im Internet veröffentlicht, Berichtsmonat Februar 2022
die Zahl für das Projektgebiet liegt nicht vor
Prägung
Unterlagen zum Gebiet
quartier_eisenbahn-rhume1.jpg
(1.71 MB)
quartier_eisenbahn-rhume7.jpg
(1.53 MB)
Programmgebiet Sozialer Zusammenhalt
Off
7. Ansatz GWA/QM
GWA/QM-Ansatz
Die Bewohner*innen stehen im Mittelpunkt des Projektes und werden selbst aktiv. Das Quartier als räumlicher und persönlicher Bezugsrahmen von Menschen ist von entscheidender Bedeutung für die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Menschen. Der Fokus liegt darauf, das Quartier mit all seinen Ressourcen wahrzunehmen, Netzwerke und Verbindungen zu schaffen und damit die Qualität von sozialen Beziehungen zu verbessern und
kulturelle und soziale Angebote im Quartier zu etablieren. Die bestehenden sozialen Netzwerke des Quartiers werden in den Blick genommen (Nachbarschaften, Kirchen, Kitas, Schule, Sportverein, soziale Einrichtungen wie die Northeimer Tafel). Die Handlungsfähigkeit und Selbstorganisation der Bewohner*innen des Quartiers wird gefördert durch die Weiterentwicklung von Netzwerken und Kooperationsstrukturen.
Eine Anlauf- und Vernetzungsstelle vor Ort (Kümmerer) wird eingerichtet, durch Beratung wird unterstützend die materielle Existenz gesichert, mit Bildungsangeboten Teilhabemöglichkeiten eröffnet.
Die Maßnahmen des Projektes werden sowohl in Richtung Bildungsarbeit als auch sozial- bzw. lokalpolitisch ausgerichtet. Das Projekt passt in die kommunale Strategie der Stadt Northeim. Dabei sind die Maßnahmen nicht themen- und zielgruppenspezifisch, sondern grundsätzlich sozialräumlich und ressortübergreifend wie beispielsweise ein Bürgerforum.
Methoden
Qualitätskriterien
Beschreibung
Durch eine umfassende Sozialraumanalyse sind Bedarfe, Wünsche und Ressourcen der Bewohner*innen bekannt
Kriterium
Beschreibung
Bewohner*innen setzen ihre eigenen Vorstellungen um, z. B. Straßenfest, Spielefest, Treffen zum Kaffee-Klatsch
Kriterium
Beschreibung
Bewohner*innen bringen sich aktiv ein und nutzen vorhandene persönliche als auch räumliche Ressourcen
Kriterium
Beschreibung
gemeinsame Aktionen wie Mitgestaltung der Grünanlagen soll Nachbarschaft fördern, Bewohner*innen beteiligen sich an Planung und Initiierung von Nachbarschaftsaktionen
Beschreibung
Durch die Sozialraumanalyse und Erkenntnisse bei der Projektdurchführung sind Bedarfe der Infrastruktur im Quartier eruiert, werden der Stadt Northeim bekannt gemacht und eine Umsetzung diskutiert diskutiert
Kriterium
8. Vernetzung
Vernetzung im Gebiet
Akteur (Freitext)
Katholische Kirchengemeinde St. Marien
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Northeimer Tafel
Typ
Stadtteil
Akteur
Akteur (Freitext)
städtische Kita Ostpreußenstraße, kath. Kita St. Marien, Kita Kinderschutzbund Reddersenstraße
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Café Dialog, Werkstatt Schule Northeim
Typ
Stadtteil
Akteur
Akteur (Freitext)
Jugend- und Kulturzentrum Alte Brauerei
Typ
Stadtteil
Akteur (Freitext)
Türkisch Islamische Gemeinde Northeim
Typ
Stadtteil
9. Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit
Laut Kooperationsgesprächen mit der Stadt Northeim sollen zur Verstetigung dieses Gemeinwesenprojektes zukünftig Mittel im Haushalt eingestellt werden. Der Bürgermeister lebt persönlich am Rande des Quartiers und freut sich, dass dieses Gebiet der Stadt Northeim eine Chance zur Weiterentwicklung bekommt. Die Phase der NBank Förderung ist ein Anschub in diese Richtung. Schlüsselakteure und Bewohner*innen für die Nachhaltigkeit des Projektes werden sozialraum-kompetent gestärkt und qualifiziert.
11. Medien
Galerie
Aufsteller
quartier_eisenbahn-rhume7.jpg
(1.43 MB)
13. Unterschrift / Veröffentlichung
Zustimmung Veröffentlichung
On