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GWA Alt-Cuxhaven

Wir erschaffen HEIMAT: Gemeinsamkeiten gegen Einsamkeiten

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Das Projekt

Entstanden ist „Alles“ 2014 aus der Not heraus, dass sich viele Migranten allein gelassen und bei Umzügen, Renovierungen und Möbelbeschaffung überforderte fühlten. Einige Einwohner ließen sich von dieser Not bewegen und waren zur Stelle, um zu helfen. Dies sprach sich herum, so dass auch von Wohlfahrtsverbänden etc. Bedarfe an diese Engagierten weitergeleitet wurden. So wuchs die ehrenamtliche Initiative stetig weiter. Ende 2017 wurde ein Verein gegründet und mit der ersten Modellförderung wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: ab 2018 wurde durch die Verknüpfung von Ehrenamt mit einem Hauptamtlichen (TZ) eine neue Struktur geschaffen und damit die Basis für eine fundierte GWA im Quartier gelegt. Durch die Kontakte in den Wohnungen der EinwohnerInnen entstand Nähe und somit die Grundlage für vertrauensvolle Beziehungen. Häufig wurden aus den Hilfeempfängern neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Darüber erfuhren wir zunehmend von weiteren Bedarfen und „neuen“ Nöten auch anderer Bevölkerungsgruppen. So wurden passende, weiterführende Angebote etabliert und zu anderen Beratungsstellen vermittelt. Als Ergänzung zu der zuvor beschriebenen Geh-Struktur konnten wir im März 2020 das Begegnungszentrum Tante Emma eröffnen. Hier haben wir endlich die wichtige und ergänzende Anlaufstelle (Komm-Struktur) in einem ansprechenden Rahmen im Herzen von Alt-Cuxhaven schaffen können. Freie Räume für bürgerliches Engagement und andere Akteure und Initiativen komplettieren die örtliche GWA und werden zu einem Anziehungspunkt für die EinwohnerInnen. Erschreckender Weise erleben wir immer öfter, wie EinwohnerInnen alleine bleiben und sich einsam fühlen. Selbst nach einigen Jahren sind neuzugezogene Ältere oder Migranten im Quartier noch nicht angekommen und noch immer alleine. Wir stellen fest, wie grundlegende Fähigkeiten fehlen, positive und stärkende Beziehungen aufzubauen und selbst Schritte zu gehen, um an erlebten Missständen Veränderung zu bewirken. Im Quartier erkennen wir keine andere Stelle, die sich aufsuchend auf den Weg macht, um dieser Not der EinwohnerInnen zu begegnen und sie unterstützt und begleitet. Deswegen sehen wir hier unseren Auftrag: mit aufsuchenden Angeboten und daran anknüpfenden, niedrigschwelligen Veranstaltungen werden wir EinwohnerInnen erreichen und miteinander in Kontakt bringen. Dies wird Einsamkeit und Anonymität entgegenwirken. Sie werden zunehmend befähigt, selbst Veränderungen zu bewirken und sich eine Heimat zu gestalten.

Ausgangslage

Unser Quartier ist davon geprägt, dass neben Geschäftslokalen viel preisgünstiger Wohnraum vorhanden ist, der oft von sozial benachteiligten Personen bewohnt wird. Zugleich sind einige Bereiche aber für Neubürger attraktiv: Menschen wählen Cuxhaven als Altersruhesitz und können in Alt-Cuxhaven zentral (Infrastruktur) und gleichzeitig nah am Wasser leben. Dies bewirkt eine stellenweise Sanierung von Wohnraum, welche die Verdrängung der ursprünglichen Bewohnerschaft bewirkt. Die verbesserte Gebäudesubstanz zieht häufig gutsituierte Bürger und Neubürger an. Hieraus ergibt sich in Ansätzen ein Gentrifizierungskonflikt. Eine weitere Facette beleuchtet der Armutsbericht des Landkreises, welcher die Armutsbedrohung vor allem für Ältere, Alleinerziehende und Migranten benennt. In dem Zusammenhang sticht die private Verschuldung in unserem Quartier hervor: die Quote liegt hier bei 19% der Erwachsenen (Bundesdurchschnitt 10 %). Somit finden sich in unserem Quartier viele zu integrierende Neubürger und auch sozial abgehängte Bevölkerungsteile in einem anonymen Nebeneinander und heterogenen Umfeld. Vor Ort wird offensichtlich, wie eine Kluft nicht nur zwischen Arm und Reich sondern auch zwischen Kulturen und Generationen auftut.

Ansatz und Methodik

Im Mittelpunkt unseres Handelns stehen die BewohnerInnen. Ihre Themen und Bedarfe sind für uns handlungsbestimmend. Dabei sehen wir sie mit ihren Fähigkeiten und Talenten als aktive Player in der Verbesserung ihrer Lebensumstände. Alter, Herkunft, Bildung, Geschlecht, sozialer Status etc. dürfen keine Grenzen bleiben. Sie bieten vielmehr belebende und bereichernde Potentiale für das ganzheitliche und nachhaltige Miteinander in unserem Gebiet. So können sich Initiativen sich um neu entdeckte Gemeinsamkeiten finden und aktiv werden. Wir verfolgen in diesem Projekt den Ansatz einer aufsuchenden Arbeit. Mittels der aufsuchenden und aktivierenden Befragung möchten wir zu EinwohnerInnen in Kontakt kommen und Beziehungen aufbauen. Da sie die Experten für ihre Lebensrealität und ihr Umfeld sind, wollen wir sie für die aktive Gestaltung und zur Partizipation bei Gestaltungsprozessen gewinnen. Auf Dauer möchten wir uns als GWAler in unserer Aktivität zurücknehmen und zunehmend die EinwohnerInnen zur Selbstorganisation führen (So viel Aktivität von GWAler-Seite wie nötig, aber so wenig wie möglich.).