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Heimathafen Herzberg

Eine lebendige Gemeinschaft – mit einem generationenübergreifenden Projekt, das Menschen verbindet, Nachbarschaft fördert und überregionale Wellen schlägt.

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Das Projekt

Wo zuvor Leerstand das Bild prägte, bepflanzen Jung und Alt gemeinsam Hochbeete. Die 80-jährige Nachbarin erhält Unterstützung beim Bestellen ihres Gartens – und bedankt sich mit einem selbstgebackenen Apfelkuchen. Eine ukrainische Familie erkundet bei einem Spaziergang mit Einheimischen die geheimnisvolle Einhornhöhle. Und auf dem Juessee wetteifern bemannte Papierboote um den großen Preis der diesjährigen Dorf-Olympiade. Solche Begegnungen möchte die seit 2024 bestehende Initiative Kulturanker Harz ermöglichen – mit kreativen, generationenübergreifenden und niedrigschwelligen Angeboten, die Herzberg und seine Ortsteile enger zusammenbringen. Wo es bislang an Struktur und Impulsen fehlte, entsteht in den kommenden drei Jahren in Zusammenarbeit mit der Kommune eine zentrale Koordinierungsstelle für Gemeinwesenarbeit. Der Kulturanker Harz besteht aus: Kunstleben e.V. in Scharzfeld, dem ehrenhaften Verein e.V. im Hotel zum Paradies bei Sieber und dem Gasthaus Deutscher Kaiser in Herzberg, das derzeit als neue Gaststätte mit Veranstaltungssaal etabliert wird. Die drei Beteiberinnen möchten ihre persönlichen Vernetzungen nutzen und ausbauen, um ein identitätsstiftendes Gesamtprojekt für die Region zu schaffen. Obwohl die vier Ortsteile Herzbergs bereits 1972 eingemeindet wurden, fehlten bisher verbindende Elemente: Es gibt kaum ortsübergreifende Aktivitäten, die zu einem starken Wir-Gefühl beitragen. Bestehende Kontakte und Netzwerke des Kulturankers nutzend werden Bewohner*innen und Vereine/Unternehmen aller Ortsteile systematisch befragt, wo sie Verbesserungspotential in ihrem Umfeld sehen und wie sie sich selbst einbringen können. Vorhandene Ideen sind u.A. gemeinschaftliche Gartenprojekte zur Stärkung nachbarschaftlicher Beziehungen, Willkommensangebote für Neubürger*innen und Geflüchtete zur Erleichterung von Integration sowie regelmäßige und kostenlose Kreativangebote wie Nähwerkstätten oder Repair-Cafés, die das Kennenlernen der Bevölkerung ermöglichen und gegenseitige Unterstützung der Bewohner*innen zum Alltag werden lassen. Das Ziel ist es zudem, gemeinschaftlich eine Dorf-Olympiade zu entwickeln, die als wiederkehrendes Highlight die Ortsteile zusammenführt. Darin sollen lokale Traditionen mit modernen Impulsen verbunden werden und kulturelle Erlebnisse für alle Generationen geschaffen werden. Zur Realisierung des Projekts werden zwei Teilzeitstellen und eine Minijobstelle eingerichtet, ergänzt durch Ehrenamt und Honorarkräfte.

Ausgangslage

Herzberg am Harz im Landkreis Göttingen ist eine historisch gewachsene Stadt, deren Ortsteile Lonau, Pöhlde, Scharzfeld und Sieber im Jahr 1972 eingemeindet wurden. Zuvor hatten die Dörfer nur wenige Berührungspunkte, und bis heute fehlen regelmäßige Anlässe, die einen ortsübergreifenden Austausch fördern. Gleichzeitig steht Herzberg vor einer Vielzahl an Herausforderungen: Besonders in den Ortsteilen mangelt es an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sowie an grundlegender Nahversorgung. Auch die Innenstadt ist zunehmend von Leerstand geprägt, wodurch das Wohnumfeld an Attraktivität verliert. Hinzu kommt ein Defizit an sozialer, kultureller und sportlicher Infrastruktur. Diese Faktoren erschweren die Entwicklung einer lebendigen Stadtgemeinschaft. Besonders betroffen sind junge und ältere Menschen: Junge Erwachsene sehen in der Region kaum Perspektiven und verlassen sie frühzeitig. Ältere Menschen, Neuzugezogene und Geflüchtete hingegen bleiben oft isoliert, da es an Begegnungsmöglichkeiten fehlt. Der demografische Wandel und die strukturelle Schwäche der Region führen dazu, dass immer weniger Menschen aktiv das Gemeinwesen gestalten. Viele frühere Traditionen oder gemeinschaftliche Veranstaltungen wurden aufgegeben, weil es keine Initiativen mehr gibt, die sie fortführen. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der gesellschaftlichen Stimmung: Bei der letzten Bundestagswahl wurde die AfD mit 21 % der Stimmen nach CDU und SPD zur drittstärksten Kraft. Hier setzt der Kulturanker Harz an: Als zentrale Koordinierungsstelle möchte er Brücken zwischen den Ortsteilen bauen, das gemeinschaftliche Leben neu beleben und langfristige Strukturen für ein aktives Miteinander schaffen.

Ansatz und Methodik

Unser Projekt verfolgt einen klaren Ansatz der Gemeinwesensarbeit, da der Fokus auf der aktiven Einbeziehung der Bewohner*innen und der Förderung von Partizipation liegt. Wir arbeiten ressourcenorientiert und nehmen die konkreten Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung als Grundlage für unsere Angebote. Wie in der GWA üblich, geht es uns darum, nicht nur kurzfristige Lösungen zu schaffen, sondern nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Ein zentrales Element unseres Projekts ist daher die Förderung von nachbarschaftlicher Vernetzung und die langfristige Stärkung eines Gemeinschaftsgefühls über die einzelnen Ortsteile hinaus. Dies schaffen wir durch den Aufbau einer gemeinsamen Onlineplattform sowie durch niedrigschwellige und kostenfreie Formate wie die Dorf-Olympiade, Sprachcafés und Nähwerkstätten. Sie fördern den Austausch verschiedener Generationen, bieten Möglichkeiten zur Mitgestaltung und verbessern die Lebensbedingungen benachteiligter Gruppen (wie z.B. Geflüchtete). Zudem arbeiten wir eng mit sozialen Einrichtungen, Vereinen und Initiativen vor Ort zusammen, um bestehende Ressourcen und Netzwerke zu nutzen und zu erweitern. In der GWA wird besonders Wert auf den Aufbau von Selbsthilfe und Eigeninitiative gelegt – auch wir streben in unserem Projekt an, dass die Bewohner*innen nach Projektabschluss weiterhin eigenständig aktiv bleiben und das gemeinschaftliche Leben fortführen. Dafür bieten wir ihnen Unterstützung und Beratung.