Strukturen schaffen für ein langes, selbstbestimmtes Leben vor Ort
Das Projekt
Befragt nach ihren Wünschen für ihr Leben im Alter benennen Menschen überwiegend den möglichst langen und selbständigen Verbleib vor Ort, in ihrer angestammten Häuslichkeit. Zu diesem Zweck existieren eine Vielzahl staatlicher und zivilgesellschaftlicher Strukturen und Angebote für alle Altersgruppen. Die Sorge für und um das Älterwerden betrifft dabei nicht nur gegenwärtige Senior*innen, sondern auch An- und Zugehörige und die gesamte Gesellschaft und hat Einfluss auf soziale Teilhabe, Gesundheit, Erwerbstätigkeit und Zukunftsperspektiven.
Die Gemeinde Bissendorf verfügt über professionelle und ehrenamtliche Strukturen, die das Zusammenleben, die Gesundheitsversorgung, Pflege und soziale Teilhabe prägen. Senior*innen und Organisationen bemängeln jedoch das Fehlen einer zentralen Ansprechperson für Belange älterer Menschen in der Gemeinde Bissendorf. Der DRK-Ortsverein Bissendorf e.V. ist seit mehreren Jahrzehnten in verschiedenen Bereichen der Sozialarbeit in der Gemeinde Bissendorf aktiv und bietet verschiedene offene Angebote, auch mit Bezug zu Fragen von Gesundheit und sozialer Teilhabe.
Das beantragte Projekt soll mit dem Ansatz einer sozialräumlich orientierten Gemeinwesenarbeit partizipative und inklusive Strukturen schaffen, die ein möglichst langes und selbständiges Leben in der eigenen Häuslichkeit in der Gemeinde Bissendorf fördern. Dabei setzt es auf vier Ebenen an: offene, generationenübergreifende Angebote zur Wissensvermittlung und sozialen Teilhabe, individuelle Beratungs- und Unterstützungsleistungen, Vernetzung von relevanten Akteuren und Partizipation der Zielgruppe und der Zivilgesellschaft. Dafür werden zunächst regelmäßige Seminare und Vorträge mit Beratungsanteil zu Themen des Älterwerdens (wie Gesundheit und Pflege) und Themen der gesellschaftlichen Teilhabe (etwa die Nutzung digitaler Technologien) angeboten. Offene Veranstaltungen als Treffpunkte für Bürger*innen, die Etablierung von intergenerationalen Formaten und Tagesausflüge bieten konkrete Anlässe für die Förderung der sozialen Teilhabe. Eine individuelle Beratung bietet Bürger*innen eine erste Kontaktstelle für alle relevanten Fragen und kann benötigte Informationen weitergeben, notwendige Unterstützung im Netzwerk initiieren oder an passende Stellen weitervermitteln kann. Zu diesem Zweck werden regionale Akteure strukturiert eingebunden und Austauschformate etabliert. Ebenso werden Formate und Möglichkeiten der Partizipation gemeinsam mit Senior*innen erarbeitet.
Ausgangslage
Die Gemeinde Bissendorf liegt mit ca. 15.000 Einwohner*innen eingebettet zwischen den Städten Osnabrück im Westen und Melle im Osten. Es existieren fünf Siedlungsschwerpunkte und neun weitere, kleinere Ortsteile.
In einem Workshop zur zukünftigen Aufstellung der Seniorenarbeit in der Gemeinde Bissendorf im Jahr 2022 bemängelten die Teilnehmenden das Fehlen einer zentralen, hauptamtlichen Ansprechperson für Senior*innen, die bisher nicht existiert. Zwar bestehen Angebote von Kirchen und Vereinen verschiedener Größe, diese sind jedoch vor allem als offene Gruppenangebote ausgestaltet. Ein institutionalisierte, Individuelle, fachliche Kontaktstelle und eine Koordination der vorhandenen Strukturen mit eine Blick auf das Älterwerden existiert vor Ort nicht. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen erfolgt lediglich opportunistisch.
Darüber hinaus wurden weitere themenübergreifende Handlungsbedarfen benannt: (1) Informationsangebote und Veranstaltungen zu Themen von Gesundheit, Pflege und Sozialem, (2) Beratungsangebote zu sozialen und gesundheitlichen Fragestellungen, (3) die Schaffung von Aufmerksamkeit für das Thema Demenz, (4) Förderung der digitalen Teilhabe (5) die Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements und die Förderung von Partizipation älterer Bürger und die (6) Vernetzung der beteiligten Akteure in der Sozialarbeit und Abstimmung ihrer Angebote.
Dafür soll eine Ansprechperson etabliert werden, die allen Bevölkerungsgruppen bei Fragen und Problemen des Älterwerdens mit Rat und Tat zur Seite steht, ihren Anliegen ein Gehör verschafft, sowie Strukturen und Themen mit der Zielgruppe zusammen weiterentwickelt.
Ansatz und Methodik
Perspektiven des Älterwerdens betreffen nicht nur Menschen oberhalb einer Altersgrenze. "Aging in place" oder das möglichst lange, selbständige Leben in der eigenen Häuslichkeit sind häufig formulierte Wünsche mit Blick auf die eigene Zukunft.
Das Projekt setzt Elemente der GWA ein, um auch in der Gemeinde Bissendorf diese Voraussetzungen zu schaffen. Dafür wird zunächst eine Stelle geschaffen, die sich um Anliegen und Probleme der Bewohner*innen zum Thema Älterwerden kümmert. Dies umfasst die Schaffung eine Infrastruktur zur niedrigschwelligen Kontaktaufnahme und gegenseitigen Unterstützung, der Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe von älteren Menschen und der einfachen Verfügbarkeit von Informationen und Angeboten. Thematisch liegt der Fokus von Bildungsangeboten darauf, Bürger*innen zu befähigen, ihre Lebenswelt für das Alter mitzugestalten und an entsprechenden Prozessen zu partizipieren.
Die zu etablierende Ansprechperson für die Gemeinde Bissendorf zielt dabei explizit auf eine sozialräumliche Gemeinwesenarbeit ab, welche die bestehenden Akteure und Ressourcen in den Orten, der Gemeinde und dem Landkreis einbindet und als Netzwerk versteht.
Kulturelle Angebote und offene Veranstaltungen bieten konkrete Gelegenheiten bei der Förderung sozialer Beziehungen und sozialer Teilhabe.