Von der kleinen Idee zum Modell des Miteinanders - das inklusive Quartier St. Leonhard
Ein baulich integratives Quartier mit altersübergreifenden Wohn-, Lern- und Kulturprojekten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung will gemeinsam Mitbestimmungsstrukturen zur Gestaltung von Infrastruktur, Veranstaltungen und Zusammenleben schaffen.
Das Projekt
Das Quartier St. Leonhard gehört weder zum kultigen "Östlichen Ringgebiet" noch zur in naher Zukunft geförderten "Bahnstadt Braunschweig", es liegt als kleine Insel genau dazwischen. Mit der Idee, ein integratives Quartier zu sein, umfasste es von Beginn an generationssübergreifende Wohn-, Lern-, Gesundheits- und Kulturprojekte für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen.
Betreibende Institutionen waren einBildungs- und Sozialunternehmen mit Schule, KiTa und Internat sowie eine Stiftung für Sozialdienstleistungen mit Behindertenbetreuung, Altenhilfe und Gesundheitsberatung. Im Jahr 2022 vervollständigt sich nun die Betreiber*innengruppe um eine freie Theaterspielstätte mit theaterpädagogischen Zentrum. In diesem Zusammenhang sollen die Grundideen nun nachhaltig zum Leben erweckt werden.
In gemeinsamen Entscheidungen entstehen Mitbestimmungsstrukturen zur Gestaltung von Infrastruktur, Veranstaltungen und Zusammenleben. Über eine ausführliche Vorbereitung wird über Recherchemaßnahmen ein Bedarfsplan erstellt. Zugleich soll ein „Quartiersparlament“ entstehen, welches aus den Bedarfen priorisiert und die Umsetzungen beschließt. Diese betreffen sowohl die zukünftigen Kommunikationsformen (intern wie extern, analog wie digital), die Veranstaltungen (Theater, Konzerte, Stadtteilfeste, Tage der offenen Tür, Vorträge) sowie kulturelle Teilhabeangebote und Freizeitangebote bis hin zu Beschilderungen, äußerlichen Gestaltungsmaßnahmen und Einkaufsmöglichkeiten.
Diese Dinge sollen nicht isoliert entstehen, sondern in zunehmendem Kontakt und Austausch mit den umliegenden Quartieren. Mit Organisationen dieser Nachbarquartiere sollen Kooperationen entstehen, um sowohl die gemeinsame Nachbarschaftskultur durch Veranstaltungen etc. zu vergrößern und zu festigen als auch die alle Menschen umfassenden demokratischen Teilhabestrukturen auszuweiten.
Für diese Umsetzung werden Einstellungen und Aufstockungen durchgeführt im Bereich von Sozial-, Theater- und Heilpädagogik, von Veranstaltungstechnik und Veranstaltungskaufleuten sowie von Künstler*innen, Kunsttherapeut*innen oder anderen Fachleuten zur ästhetischen Umsetzung von Vorschlägen.
Desweiteren wird entsprechend den Anforderungen Material angeschafft zur äußerlichen Gestaltung und für Außenveranstaltungen.
Ausgangslage
Das Quartier St. Leonhard wurde gebaut als "erstes integratives Quartier in der Stadt Braunschweig". Die Architektur trägt dem Rechnung, die betreibenden Institutionen passen auch (über die Evangelische Stiftung Neuerkerode und das CJD kommen Kinder, Jugendliche mit besonderen Unterstützungsbedarfen mit und ohne Migrationshintergrund, Menschen mit Beeinträchtigungen, Senioren, Menschen mit Suchtproblemen etc. zusammen). Damit ein Zusammenleben nicht zum Clash wird, sondern in gemeinsamer Verantwortung gestaltet wird, braucht es allerdings mehr als eine Diversität bei Bewohner*innen und Nutzer*innen: Ein funktionierendes Quartiersmanagement muss, wenn es denn inklusiv sein soll, konzeptionell entwickelt und begleitet werden. Da die Nutzer*innen hauptsächlich auf das eigene Tagesgeschehen gucken, würde ein solcher Aufbau hin zu einer demokratischen Selbstverwaltung vermutlich auf der Strecke bleiben. Der Bauherr und Betreiber ist zwar bereit, gemeinschaftsbildende Massnahmen auch über Jahre finanziell zu unterstützen, aber für Konzepterstellung, Workshops, Aufbau eines Kommunikationsnetzwerks, Schaffung einer hybriden Infrastruktur sowie einer beratenden Anlaufstelle wird das nicht reichen. Daher könnte dieses potentiell modellhafte Projekt zum Scheitern verurteilt sein, wenn dort nicht in den ersten Jahren mit weiterer finanzieller Unterstützung eine nachhaltige Struktur aufgebaut würde. Gerade die sonst in der Gesellschaft benachteiligten Gruppen brauchen dabei ein besonderes Augenmerk.
Ansatz und Methodik
- es geht um einen definierten Raum innerhalb einer Großstadt, der sich im Wandel befindet
- in diesem Bereich treffen in überdurchschnittlicher Konzentration Kinder, Jugendliche, Alte Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen, Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf und Menschen mit Migrationshintergründen aufeinander
- Wir bieten Unterstützung bei Vernetzung, Gestaltung und Mitbestimmung und leisten Hilfe zur Selbsthilfe: in demokratischen Mitbestimmungsprozessen übernehmen die Anwohner*innen und Nutzer*innen die Verantwortung für Entscheidungen, die ihren Alltag und ihre Infrastruktur betreffen
- Dabei leben wir Werte vor, die auf einer humanistischen Weltanschauung und unserem Grundgesetz beruhen: Die Gleichheit und Gleichwertigkeit der Menschen und die Unantastbarkeit der Menschenwürde, aber auch die Toleranz und das produktive Miteinander
- Gemeinsam soll Einfluss genommen werden auf Faktoren, die die Lebensqualität bestimmen: Versorgung, Bildung, Kultur, Unterhaltung...
- Im Laufe des Entwicklungsprozesses entstehen Strukturen, die es den ehrenamtlichen Aktiven ermöglichen, diese Verantwortung für Entscheidungen langfristig und nachhaltig zu tragen