Installation einer soziokulturellen Einrichtung in der Gnadenkirche
Kreative Formen der Partizipation, Begegnung, Austausch und Teilhabe für die Bewohner*innen in Süderwisch
Das Projekt
Das Projekt wird in enger Kooperation der HeimatKULTUR mit der ev.-luth. Kirchengemeinde Gnadenkirche umgesetzt. Diese Kirche ist multifunktional nutzbar (freibestuhlbar) und mit der Frage konfrontiert, welche Rolle Kirche zukünftig in einem vom Wandel geprägten Quartier wie Süderwisch einnehmen kann und möchte.
Beide Partner*innen verbindet das Verständnis, dass gerade in einem Stadtteil wie Süderwisch, in dem viele unterschiedliche Nationalitäten und Kulturen zusammenleben und die Dinge, die trennen oft größer scheinen, als die die einen, lebensweltnahe Werkzeuge gefunden werden müssen, die ans Herz gehen, die manchmal auch ohne Sprache funktionieren und die das Potenzial haben, einander von der eigenen Geschichte und Herkunft zu erzählen, um Stück für Stück Barrieren und Ängste abzubauen und zu überwinden.
Ein passendes Werkzeug hierfür ist die Kunst und Kultur. Mit ihrer Hilfe möchten die beiden Partner*innen den Bewohner*innen die Möglichkeit zur Begegnung und zum Austausch aber auch zur außerschulischen Bildung und zur Teilhabe an Kunst und Kultur bieten. Des Weiteren soll ihnen die Chance geboten werden, ihren Stadtteil aktiv, nachhaltig und in ihrem Sinne mitzugestalten.
Zu diesem Zweck soll in der Gnadenkirche eine soziokulturelle Einrichtung installiert werden, die Raum für innovative, mutige und vor allem zur Zielgruppe passende Kunst- und Kulturangebote bietet. Es wird gezielt mit Künstler*innen zusammengearbeitet die die Diversität des Stadtteils widerspiegeln. Dies können bspw. die Künstler*innen des Husam Al-Ali Ensembles sein, denen es wunderbar gelingt, Menschen ein Verständnis für und detaillierten Einblick in die klassisch arabische Musik zu geben. Dies können aber auch Künstler*innen der vielfältigen urbanen Künste oder Referenten sein, die in ähnlicher Lebenssituation wie die lokale Bewohner*innenschaft groß geworden sind. Wir setzen hierbei auf eine passende Mischung aus frontalen Kunst- und Kulturangeboten (wie Konzerte oder Ausstellungen) und partizipativen Angeboten (wie z. B. Workshops, Kurse, Fortbildungen oder Kulturcafé). Gerade letztere Angebote sollen dazu dienen, den Bewohner*innen die Möglichkeit zu bieten, sich über ihren Stadtteil auszutauschen und an der Gestaltung dessen mitzuwirken.
Alle im Rahmen des Projekts umgesetzten Angebote sollen von einer sozialpädagogischen Fachkraft begleitet werden, die die Bewohner*innen in Alltags- aber auch Krisenfragen berät sowie ggf. an andere Fachkräfte weiterleitet.
Ausgangslage
Dieses Projekt soll in Cuxhaven-Süderwisch umgesetzt werden. Der Stadtteil ist von einer Vielzahl sozialer und räumlicher Einschränkungen sowie Benachteiligungen geprägt. Viele der Bewohner*innen sind mehrfach benachteiligt (z.B. Armut, Sprachbarrieren, schwierige Familienverhältnisse, fehlende Tagesablaufstrukturen). Es besteht eine äußerst eingeschränkte Mobilität und es gibt aktuell keinen Nahversorger im Stadtteil. Des Weiteren gibt es vor Ort keine öffentlichen Treffpunkte. Hiervon sind im speziellen die Jugendlichen des Stadtteils betroffen, die außerhalb des Schulbetriebes keine speziell für sie ausgelegten Räume im öffentlichen Raum haben. Darüber hinaus gibt es keine Einrichtung vor Ort, die den Bewohner*innen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld Unterhaltung, Kulturveranstaltungen sowie die Möglichkeit zur Begegnung, zum Austausch und zur Teilhabe in ungezwungener Atmosphäre bietet.
Im Stadtteil aktiv sind Partner*innen wie die ev.-luth. Gnadenkirche, die Stadt Cuxhaven (mobile Jugendarbeit), der Quartiersmanager, drei Kitas, eine Jugendhilfestation, ein Stadtteilverein, das Freiwilligenzentrum, die Engagierte Stadt, die Hanel Senioren Stiftung, der Paritätische (JMD und AFS), die Caritas sowie die Süderwischschule.
Diese Partner*innen leisten hervorragende Arbeit für den Stadtteil, beklagen aber, dass es nachhaltig nicht gelingt, Grenzen und Vorbehalte zwischen den im Stadtteil beheimateten Nationalitäten zu überwinden sowie die Bewohner*innen für eine aktive und gleichberechtigte Teilhabe an den Prozessen im Stadtteil zu gewinnen.
Dieser Projektantrag wird in enger Abstimmung mit der Stadt Cuxhaven gestellt, die diesen Antrag voll unterstützt.
Ansatz und Methodik
Dieses Projekt kombiniert professionelles und zivilgesellschaftliches Engagement und verfolgt das Ziel, die Bewohner*innen des Stadtteils über die Bereitstellung der genannten Kunst-, Kultur- und Begegnungsmöglichkeiten zu aktivieren, sie dazu zu befähigen ihre Lebenssituation zu analysieren und Bedarfe zu artikulieren sowie im gemeinsamen Lernen, Arbeiten und Austausch Grenzen und Vorbehalte gegeneinander zu überwinden. Die Bewohner*innen sollen partizipativ an dem Projekt beteiligt werden und sie sollen Inhalte und Ausrichtung des Projektes mitbestimmen.
Die gemeinsame Arbeit und das gemeinsame Lernen soll sie des Weiteren dazu befähigen auch die Bedarfe ihres Stadtteils zu erfassen und diese deutlich in die dafür vorgesehenen kommunalen Ausschüsse zu tragen und dort zu vertreten.