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Unser Hesepe - gemeinsam selbstwirksam gestalten.

Aus Mitmachen wird Mitbestimmen – auch in einem Ort im ständigen Wandel

Das Projekt

Im Bramscher Ortsteil Hesepe leben Dorfbewohner*innen und Bewohner*innen der Landesaufnahmestelle (LAB) im Alltag Tür an Tür. Der Anteil der Asylsuchenden an der Gesamtbevölkerung im Ort liegt im Durchschnitt bei rund 40 %, unterliegt deutlichen Schwankungen und ist von hoher Fluktuation geprägt. Schwankungen der Belegzahlen durch LAB und Fluktuationen sind Abbild globaler Notsituationen und politischer Krisen und belasten ein normales Zusammenleben erheblich. Sprachliche, kulturelle und soziale Unterschiede sowie begrenzte Begegnungsmöglichkeiten erschweren Integration und Beteiligung. Gleichzeitig fühlen sich viele langjährig ansässige Bürger*innen mit ihren Anliegen nicht ausreichend gehört. Das Projekt stärkt die selbstwirksame Beteiligung im Quartier und fördert ein respektvolles Miteinander. Aufbauend auf langjähriger Praxis, gewachsenen Netzwerken und enger Kooperation mit der Stadt Bramsche, der LAB und lokalen Akteur*innen schafft Amal e.V. Zugänge zur Mitwirkung aller in Hesepe. Mobile Aktionen, ein multifunktionaler Anhänger, Begegnungsorte und digitale Beteiligung schaffen konkrete Anlässe für gemeinsames Handeln. Dazu gehören u.a. Fahrrad- und Verkehrssicherheitsaktionen, Sport- und Nachbarschaftsangebote sowie Pflanz- und Pflegeprojekte. Moderierte Dialogformate führen unterschiedliche Perspektiven zusammen, bearbeiten Konflikte konstruktiv und stärken Eigeninitiative. Durch kontinuierliche Präsenz werden auch bislang wenig erreichte Menschen angesprochen und eingebunden. Das Projekt baut auf der seit vielen Jahren bestehenden Kooperation zwischen der Stadt Bramsche und dem Verein Amal auf und entwickelt diese gezielt weiter: Amal initiiert und begleitet Beteiligungsprozesse, die Stadt greift entstehende Themen und Bedarfe auf und bindet diese in ihre fachlichen Zuständigkeiten und Entscheidungsprozesse ein. Durch den seit Jahren etablierten Austausch auf gesamtstädtischer Ebene sind die Voraussetzungen dafür gegeben, dass auch die Erfahrungen aus dem Projekt kontinuierlich in die Weiterentwicklung kommunalen Handelns einfließen. Ziel ist es, tragfähige Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln, die Begegnung, Vertrauen und Kooperation fördern und den sozialen Zusammenhalt im Quartier nachhaltig zu stärken – auch unter den besonderen Bedingungen der hohen Fluktuation der Bewohner*innen in der LAB. Damit leistet das Projekt einen modellhaften Beitrag zur Stärkung von Teilhabe in Sozialräumen mit vergleichbaren Herausforderungen.

Ausgangslage

Von rund 3.200 Einwohnerinnen des Ortsteils Hesepe leben durchschnittlich 40 % als Asylsuchende in der Landesaufnahmebehörde (LAB). Viele erleben ihren Alltag als perspektivarm. Geeignete Beschäftigungsangebote sowie Zugänge zu kommunalen Sport- und Freizeitstrukturen sind begrenzt. Gleichzeitig wächst unter langjährig ansässigen Bürger*innen der Unmut über mangelnde Fahrrad-Verkehrssicherheit, wiederkehrende Beinahe-Unfälle, unzureichende Sauberkeit und ungepflegte Grünanlagen. Sie nehmen eine einseitige Aufmerksamkeit öffentlicher Institutionen zugunsten der LAB wahr und fühlen sich mit ihren Anliegen von Politik und Verwaltung nicht ausreichend wahrgenommen. Sprachliche und kulturelle Barrieren verstärken Spannungen, begünstigen Rückzug und erschweren Begegnungen zwischen den Kulturen und Beteiligung an demokratischen Prozessen. Die hohe Fluktuation innerhalb der LAB erschwert die Integrationsarbeit. Mit der Einrichtung einer Streetworker*innen-Stelle vor acht Jahren haben Stadt Bramsche und LAB eine zentrale Grundlage geschaffen: Konfliktlagen, Bedarfe und Akteursstrukturen sind gut bekannt. Nun gilt es, mithilfe des Projektes verbindende Formate und tragfähige Strukturen zu stärken, die Dialog, Mitwirkung und Selbstwirksamkeit systematisch fördern. Amal verfügt über gewachsene Expertise und Infrastruktur. Der Verein betreibt zwei etablierte Standorte in der LAB und in der Bramscher Innenstadt und kooperiert eng mit Stadtverwaltung und LAB-Leitung. Fundierte Ortskenntnisse, persönliche Netzwerke und Erfahrung in der Entwicklung nachhaltiger Beteiligungsstrukturen bilden die Grundlage für eine langfristige Weiterentwicklung der Bürger*innenbeteiligung im Quartier.

Ansatz und Methodik

Das Projekt ist konsequent sozialraumorientiert angelegt. Grundlage sind die durch kontinuierliche Streetwork und gewachsene Kooperationen bekannten Anliegen und Potenziale im Ortsteil Hesepe. Die Impulse gehen von den Menschen selbst aus. Amal schafft verlässliche Rahmenbedingungen für Motivation und selbstwirksame Beteiligung. Niedrigschwellige Formate im öffentlichen Raum, moderierte Dialogprozesse sowie analoge und digitale Treffpunkte eröffnen Beteiligungsmöglichkeiten. Dorfbevölkerung, LAB-Bewohner*innen, Vereine, Initiativen und Menschen mit Einschränkungen bringen ihre Kompetenzen aktiv ein. Vorhandene Ressourcen werden vernetzt, Ehrenamtliche fachlich begleitet und an Verantwortung herangeführt. Beteiligungsprozesse werden kontinuierlich ausgewertet und gemeinsam mit Kommune, LAB-Leitung und weiteren Kooperationspartner*innen weiterentwickelt. Dabei entstehen auf kommunaler Seite Lerneffekte zur Gestaltung wirksamer Beteiligungsprozesse: Es wird erprobt und weiterentwickelt, unter welchen Bedingungen sich Bürger*innen motiviert einbringen und wie ihre Impulse konkret in tragfähige und vor Ort umsetzbare Lösungen einfließen. Das Projektdesign wirkt auf individueller, struktureller und systemischer Ebene nachhaltig. Angesichts der hohen Fluktuation entfaltet das Projekt besondere Modell-Wirkung. Es stärkt lokale Gestaltungskraft, vertieft die Kooperation mit kommunalen und regionalen Akteur*innen und leistet einen Beitrag zu Integration und gelebter Demokratie.