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Fledder für alle

vielfältiges Bürger*innencafé

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Das Projekt

Im Projekt bauen wir ein auf Diversität und Partizipation ausgerichtetes Bürger*innencafé für Osnabrück-Fledder auf. Fledder ist der Osnabrücker Stadtteil mit der größten prognostizierten Bevölkerungsentwicklung. Gleichzeitig ist er geprägt durch Arbeitslosigkeit, Kinder- und Altersarmut und einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte. Der Stadtteiltreff, der Begegnung, interkulturelles Miteinander, aber auch Empowerment und gelebte Teilhabe durch die Förderung von zivilgesellschaftlichem und politischen Engagement ermöglicht, ist ein Beitrag, die Entwicklung zum positiven mitzugestalten. Ausschlaggebend für die Projektwirkung ist ein GWA-Ansatz, der die heterogene Stadtteilbevölkerung abholt und von Beginn an in die Ausgestaltung als gleichberechtigte Partner einbezieht. Methodisch wird über ein niedrigschwelliges Begegnungsformat (interkulturelles Café- und Kochangebot) Interesse geweckt und Beziehungsarbeit angestoßen. Hierin sehen wir erfahrungsbasiert einen Schlüssel für die erfolgreiche Arbeit mit Menschen, denen gesellschaftliche Teilhabe verwehrt wurde und die Berührungsängste entwickelt haben. Das Café öffnet zunächst zwei Tage in der Woche zum gemütlichen Beisammensein für alle Anwohner*innen. Dabei kommt das Personal mit den Gästen ins Gespräch und baut Vertrauen auf. Aus dem Café heraus werden Menschen für Ideenwerkstätten, gemeinsame Stadtteilbegehungen zur Bedarfserhebung und Lösungsfindung etc. gewonnen, die das Angebot als Multiplikator*innen weiter im Stadtteil verbreiten. Interessierte werden dahingehend begleitet, eigene Angebote zu gestalten. Dabei werden sie sowohl beratend, qualifizierend als auch mit Material unterstützt und miteinander vernetzt. Auch werden sie dazu angeregt, ihr Engagement aus dem Café in den Stadtteil zu tragen und ggf. in Form einer Initiative oder über den Beitritt zu Vereinen oder Parteien zu verstetigen. Zu diesem Zweck werden im Projekt Beratung, Workshops und Begegnungsformate miteinander verknüpft. Die Treffen im Café, Aktionen der Anwohner*innen und weitere Aktivitäten im Projekt werden fotografisch dokumentiert. Als wachsende Ausstellung schmückt diese Dokumentation das Café. Die Angebote werden über Einfache Sprache, den Einsatz von ehrenamtlichen Sprachmittler*innen, Peer-to-Peer-Arbeit etc. möglichst barrierearm gehalten. So wird allen im Stadtteil vertretenen Zielgruppen die Teilhabe ermöglicht - Erwachsenen, Jugendlichen, Senior*innen egal welcher Herkunft.

Ausgangslage

Fledder ist der am stärksten wachsende Stadtteil Osnabrücks, prognostiziert sind rund 130% bis 2030 (Stadt Osnabrück: Bevölkerungsprognose 2030-2040). Gleichzeitig schneidet der Stadtteil im Sozialmonitoring von 2021 im Gesamtindex Soziale Ungleichheit sehr negativ mit negativer Tendenz ab, insbesondere die innenstadtnahe Hälfte des Stadtteils. Für das Gebiet wird ein erhöhter Aufmerksamkeitsbedarf von Seiten der Stadt erkannt (Osnabrück Aktuell 2/2023, S. 12), da hier eine Bevölkerung mit einem sehr hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund auf Arbeitslosigkeit, des Bezug von Transferleistungen, Kinder- und Altersarmut stößt. Aufgrund der gewerblichen Prägung des Stadtteils fehlt es den Einwohnenden an Begegnungsmöglichkeiten, Luft- und Aufenthaltsqualität in ihrem Stadtteil. Die prognostizierte Bevölkerungszunahme in Kombination mit der aktuellen sozioökonomischen Lage des Stadtteils verdeutlichen, dass jetzt gehandelt werden muss, um wachsender sozialer Ungerechtigkeit und Ghettoisierung des Stadtteils entgegenzuwirken. Insbesondere bedarf es Angeboten, die die überwiegend migrantische Bevölkerung ansprechen und zu ihrer Integration in Gesellschaft, Politik und Arbeitsmarkt beitragen. Im Fledder gibt es kaum zivilgesellschaftliche Initiativen oder Vereine, die einen Raum dafür bieten. Das ist sowohl auf Stadtteilebene als auch vor dem Hintergrund gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung bedenklich. Deshalb möchten wir im Projekt einen Begegnungsort schaffen, der das Miteinander ebenso fördert wie das zivilgesellschaftliche Engagement und die bürgerliche Selbstorganisation zum Mitgestalten des Stadtteillebens.

Ansatz und Methodik

Das Projekt folgt dem Ansatz der Gemeinwesenarbeit, indem es nach einer ganzheitlichen Perspektive Menschen verschiedenster Zielgruppen dahingehend empowert, die Gestaltung von Zusammenleben und Stadtteilkultur selbst in die Hand zu nehmen. Aufgrund der Arbeit insbesondere mit marginalisierten Gruppen bildet eine Vertrauen aufbauende Beziehungsarbeit über niedrigschwellige Begegnungsangebote die Grundlage für das methodische Vorgehen im Projekt. Darauf aufbauend werden die Anwohner*innen eingeladen, Bedarfe, Wünsche und Ideen ins Projekt zu tragen. Sie werden über Beratung, Qualifizierung und Vernetzung dahingehend begleitet, diese Bedarfe selbst anzugehen und ihre Ideen allein oder gemeinsam (mit vorhandenen Akteuren) in die Tat umzusetzen. Gemeinwesenarbeit ist in diesem Sinne Demokratiebildung und -Förderung, aktiviert Menschen für bürgerschaftliches und politisches Engagement und fungiert als Motor einer demokratischen Mitmach-Kultur auf Quartiersebene. Das zieht sich durch das Projekt: Der Café-Rat gestaltet das Begegnungsprojekt im Treff, engagierte Anwohner*innen gestalten Aktionen im Café und tragen ihr Engagement in den Stadtteil. Das erhöht den sozialen Zusammenhalt im sehr diversen Fledder und wirkt sich somit positiv auf die demokratisch Resilienz im Stadtteil aus, die angesichts er prognostizierten Bevölkerungsentwicklung bedeutsam ist. Das Projekt arbeitet diskriminierungssensibel und barrierearm, verwendet einfach Sprache und moderiert zwischen den Zielgruppen.