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Starke Nachbarschaft

Gemeinwesen Gemeinsam Gestalten

Das Projekt

Das Projekt ist in der Gemeinde Algermissen angesiedelt. Mit Hilfe des Projektes sollen neue Wege entwickelt werden, das gesellschaftliche Leben vielfältig zu gestalten. Einen besonderen Schwerpunkt bietet die Arbeit in den einzelnen Ortsteilen. Handlungsleitend sollen dabei die Belange der Bewohner*innen sein. Besonders berücksichtigt werden vor allem Personen, die sich derzeit nicht in den Angeboten und Veranstaltungen der Gemeinde wiederfinden. Ein Mobiles Café wird entwickelt. Es bietet eine niedrigschwellige Methode zum Kontaktaufbau und zu aktivierenden Befragungen. Vor Ort werden die Belange der Bewohner*innen erfasst. Ausgehend von ihren Ressourcen werden die Bewohner*innen motiviert und begleitet, sich für ihre Interessen zu engagieren. Neue nachbarschaftliche Netzwerke werden gebildet. Die Bewohner*innen werden bestärkt, neue Veranstaltungen wie z. B. offene Treffen oder Bildungsangebote in den Dorfgemeinschaftshäusern zu planen und durchzuführen. Die Formate können sehr vielfältig sein, ebenso wie die Handlungsbereiche. Aus Vorgesprächen mit Eingewanderten und ihren Nachkommen ist bekannt, dass Bildung, Kultur und Mobilität bedeutende Themen darstellen. Im letzten Jahr wurde deutlich, dass viele Menschen von der digitalen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen sind. Dieses wurde besonders von der Leitung des Mehrgenerationenhauses über die Seniorenarbeit berichtet. Andererseits ist gerade im digitalen Bereich viel individuelles Wissen vorhanden. Ein ehrenamtliches Team wird in Rahmen des Projektes niederschwellige Hilfs- und Bildungsstrukturen entwickeln. Innerhalb des gesamten Projektes werden digitale Elemente integriert und niedrigschwellig erfahrbar sein. Die Projektleitung wird die Aufgaben innehaben: Durchführung des Mobilen Cafés, Impulse von den Bewohnern aufnehmen, Akteure stärken, neue Netzwerke anbahnen und durch gemeinsames Planen und Durchführen Arbeitsstrukturen etablieren. Ziel ist es, dass die Akteure zum Ende des Projektes weitgehend eigenständig die Projekte umsetzen und neue generieren. Nur im Bedarfsfall werden sie durch einen Sozialarbeiter der Gemeinde unterstützt. Durch das Projekt soll erreicht werden, dass Nachbarschaften neu entdeckt werden und die Angebote im Gemeinwesen die Vielfalt der in Algermissen lebenden Bürger*innen widerspiegelt.

Ausgangslage

Die Gemeinde Algermissen liegt im Norden des Landkreises Hildesheim. In sechs Ortschaften leben circa 8.000 Menschen, davon circa 4.500 im Kernort. 1. Die fünf kleineren Ortschaften liegen mehrere Kilometer entfernt und sind ohne eigenes Auto nur schwer erreichbar. Fahrradwege sind kaum vorhanden, der ÖPNV erreicht die Ortschaft mit dem Linienbus sehr unregelmäßig. Fehlende Mobilität verringert die Teilhabemöglichkeiten vor allem bei älteren Menschen oder wenn bei einem fehlenden persönlichen Netzwerk wenig Unterstützung erfolgt. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach alternativen Mobilitäts-Formen durch Diskussionen um Klimaschutz und Nachhaltigkeit, geäußert in Gruppendiskussionen vor Ort. Es fehlen vor Ort Anreize für Car-Sharing, E-Mobilität und die Unterstützung von ehrenamtlichen Strukturen für Mobilitätsangebote. 2. Ein fortschreitender Generationenwechsel in den Bestandswohnungen, neue Bauvorhaben und -gebiete oder die Aufnahme von Menschen mit Fluchterfahrung sind Gründe für Zuzug. Nachbarschaften bleiben anonym, wenn unterschiedliche Lebensentwürfe blockieren oder wenig Kommunikation und Interaktion zwischen den unterschiedlichen Gruppen und Einzelpersonen stattfindet. Anonyme Nachbarschaften wurden von Ehrenamtlichen, Kooperationspartnern und aus Familien mit und ohne Fluchterfahrung als Problem genannt. In der Gemeinde leben Menschen aus 59 verschiedenen Ländern (Stand 2020). 3. Die Corona-Pandemie verstärkt die beschriebenen Problemlagen durch Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren. Fehlende Digitalisierung, mangelnde Kenntnisse in der Nutzung digitaler Medien müssen zukünftig ebenso überwunden werden wie Isolation und Vereinsamung.

Ansatz und Methodik

Das Projekt versteht sich als eine Prozessbegleitung. Ziel ist es, Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft und Milieu - zu aktivieren und zu stärken, ihre Belange ins Gemeinwesen einzubringen. Der Ansatz ist niedrigschwellig. Die Bewohner*innen werden motiviert, in nachbarschaftlichen, sozialen Netzwerken ihr direktes Umfeld zu gestalten. Dabei sind die Belange und Ressourcen der Bewohner*innen handlungsleitend. Dies bezieht sich sowohl auf die Formate, als auch auf die Handlungsbereiche. Die Handlungskompetenz des Einzelnen wird gestärkt, aus individuellem Empowerment soll sich kollektives Empowerment entwickeln. Eine aktive, gemeinschaftliche Beteiligung stärkt das Selbstwertgefühl und die Identifikation mit dem sozialen Raum. Neue Begegnungsräume werden durch die Bewohner*innen entwickelt, um langfristig die Möglichkeiten der Partizipation am Gemeinwesen zu stärken.