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Nachbarschaftszentrum Ahlhorn

Nachbarschaftszentrum Ahlhorn - nicht nur nebenan, sondern auch mittendrin

fotos haendelstrasse 24.05.2021 , fotos kapitaen strasser strasse i 24.05.2021 , fotos kapitaen strasser strasse ii 24.05.2021 , fotos schubertstrasse 24.05.2021 , fotos siedlungsstruktur 24.05.2021

Das Projekt

Ahlhorn stellt mit etwa 8.500 Einwohnerinnen und Einwohnern der größten Ortsteil in der Gemeinde Großenkneten dar. 2019 wurde ein Teilbereich des Ortes, das "Quartier Wildeshauser Straße", in das Städtebauförderprogramm zunächst "Soziale Stadt", später "Sozialer Zusammenhalt" aufgenommen. Im Zuge dieser Städtebauförderung wurde bereits ein Quartiersmanagement eingerichtet. Durch den erhöhten Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund (SpätaussiedlerInnen, Geflüchtete aus dem arabischen Raum und zunehmend osteuropäische Arbeitskräfte) reagiert die Gemeinde Großenkneten bereits seit Jahren mit eigenen Angeboten (Integrations- und Netzwerkarbeit, Streetwork, Schulsozialarbeit, Verfestigung des Ehrenamtes) auf die dadurch entstehenden Bedarfe - sowohl für die einheimische Bevölkerung als auch für die zugezogenen Menschen. Dabei stellen sich die Integrations- und die Gemeinwesenarbeit als zentrale Bestandteile der Arbeit heraus, denn unter den vielen Zuwanderinnen und Zuwanderern befinden sich zahlreiche Menschen, deren Perspektive vor Ort nicht gut erscheint und deren Potenziale noch unentdeckt sind. Hieraus resultiert u.a. eine fehlende Identifikation mit dem neuen Wohnort. Das bisherige Engagement erfolgte vorrangig nach dem Prinzip Top-Down - reaktiv und defizitorientiert. Mit der Einrichtung eines Nachbarschaftszentrums können die bisher schwer zu erreichenden Zielgruppen besser eingebunden werden. Durch das Bottom-Up-Prinzip sollen die tatsächlichen Interessen, Bedürfnisse und Wünsche der Menschen im Projektgebiet vor Ort erfragt und möglichst umgesetzt werden. Vielfältige Angebote sind bereits vor Ort geschaffen worden - diese müssen weiter gebündelt und und bekannt gemacht werden. Durch die zentrale Ansiedlung des Nachbarschaftszentrums direkt im Quartier werden die Räumlichkeiten nicht als Institution, sondern als Begegnungs- und Beratungsraum geschaffen - einladend für Jedermann mit niedrigschwelligen Hilfestellungen und Kontaktvermittlungen zu den bestehenden Beratungsangeboten. Als Netzwerkpartner stehen bereits die ansässigen Kultur- und Sportvereine, Bildungseinrichtungen, Ehrenamtliche, sozialpädagogische Fachkräfte, aber auch viele interessierte Bürgerinnen und Bürger, wozu auch Migrantinnen und Migranten gezählt werden, zur Verfügung. Die Konzeption und Verfestigung der Gemeinwesenarbeit ist von großer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit des Ortsteils und ergänzt das vorhandene Quartiersmanagement optimal.

Ausgangslage

Der Ortsteil Ahlhorn als eigentlich dörflicher Raum weist viele städtische Strukturen und damit für eine ländliche Region eine sehr untypische Entwicklung auf. Hintergrund sind u.a. die Aufgabe als Militärstandort mit damit verbundenem damaligem Leerstand von Wohnraum, lebensmittelverarbeitende Industrie im näheren Umfeld sowie die EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit. 2011 und seit 2015 kamen viele Geflüchtete hinzu. Zu sozialen kommen auch städtebauliche und wohnungswirtschaftliche Missstände. Der Ausländeranteil im Projektgebiet liegt bei 54 % (einzelne Straßen über 70 %). Es besteht eine hohe Fluktuation. 22 % der Bewohner wohnen seit mehr als 10 Jahren am jetzigen Wohnstandort, im Gegensatz dazu aber 39 % (einzelne Straßen 50 %) weniger als zwei Jahre in der jetzigen Wohnung. Diese Umstände , verbunden mit einem negativen Image, erschweren den Aufbau von eigentlich typischer Nachbarschaft und verstärken die Tendenz von Wegzügen. Enge und Überbelegung vieler Wohnungen führt dazu, dass sich soziales Leben auch in den öffentlichen Raum verlagert, was wiederum Ängste und Angsträume bei der einheimischen Bevölkerung bewirkt. Die soziale Segregation wird befördert. Die alteingesessenen Bürgerinnen und Bürger sehen die sozialen Entwicklungen mit Sorge und fühlen sich entfremdet. Bestehende kommunale Angebote (u.a. Streetwork, Migrationsberatung, Flüchtlingssozialarbeit, Schulsozialarbeit, Präventionsketten), und das reiche Kultur- und Vereinsleben in der Gemeinde können diese Entwicklung nicht aufhalten. Es hat sich gezeigt, dass es an einer vernetzenden Stelle fehlt, die die Menschen vor Ort mit einbezieht sowie Kontakte untereinander und niedrigschwellige Zugänge schafft.

Ansatz und Methodik

Die GWA soll nach dem "Bottom–Up" Prinzip erfolgen, welches von den geäußerten Bedürfnissen der BewohnerInnen ausgeht (Befragungen), von ihren Stärken, ihrer Bereitschaft, sich zu engagieren und die sich Vorhaben zutrauen. Gemeinwesenarbeit wird als langfristiger Prozess verstanden, der auch über das Förderprogramm "Sozialer Zusammenhalt" hinaus Bestand haben soll, um Erfolge zu sichern, nachhaltig zu wirken und die Zufriedenheit und Identifikation alle Bürger*innen erhöht. Gemeinwesenarbeit denkt in Projekten, die von den Menschen im Projektgebiet gewollt und getragen werden. Zwar kann Gemeinwesenarbeit auch von sich aus Impulse setzen und Anregungen geben, aber entscheidend bleibt, was von der Zielgruppe, den Menschen im Projektgebiet, mitgetragen wird. Gemeinwesenarbeit hat den Ortsteil insgesamt im Blick, die Veränderungen ergeben sich jedoch aus zunächst einzelnen Projekten, die auf das Gesamtziel ausgerichtet sind und somit nachhaltig Verbesserungen erreichen. Ergänzt werden die Ansatzpunkte der Gemeinwesenarbeit insbesondere durch das Quartiersmanagement, aber ebenso durch Integrationsarbeit, Streetwork, Schulsozialarbeit, ehrenamtliche Helfer und Begleiter sowie weitere vor Ort bestehende und bedarfsabhängig ggf. noch einzurichtende Hilfeangebote. Durch das Quartiersmanagement werden städtebauliche und sozialplanerische Herausforderungen bearbeitet - gemeinsam mit der Gemeinwesenarbeit vor Ort kann Hand in Hand daran Beteiligung gelebt und umgesetzt werden.