Auf gute Nachbarschaft! - Gemeinwesenarbeit auf der Straße - Gemeinsam Zukunft gestalten im Quartier
Nachbarschaft stärken - Demokratie leben - Nachhaltigkeit erreichen
Das Projekt
Das Begegnungszentrum Mittelpunkt Hüttenstraße (BMH) in der Weststadt von Stadthagen ist im Projektzeitraum 2017/2018 an den Start gegangen. Die permanent ansteigenden Besucherzahlen der vergangenen Jahre, die Durchmischung aller Bewohnergruppen und das breitgefächerte Kurs- und Gruppenangebot zeigen, dass die bisherigen Konzepte bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie einen hohen Wirkungsgrad entfalten konnten. Die zentrale Aufgabe für die nun beantragte dreijährige GWA-Förderung ist die Weiterentwicklung des Quartiers unter konsequentem Streetwork mit einer starken und permanent sichtbaren Präsenz in den Straßen. Ansteigende Arbeitslosenzahl, erkennbar zunehmende Perspektivlosigkeit und gestiegenem Aggressionspotential unter jungen Menschen machen diese aufsuchende Arbeit besonders notwendig. Diese kann, wird und muss Bindung zu den Menschen herstellen, denn nur so kann Sozialarbeit ziel- und lösungsorientiert wirken und Veränderungen herbeiführen. Als Vertrauensperson, Türöffner, Problemversteher und Beratunggebender soll Gemeinwesenarbeit auf der Straße Menschen zusammenführen und nachhaltig Gewaltfreiheit bei Konflikten einfordern. Der proaktive Ansatz soll die Menschen dazu befähigen, gemeinsam und aktiv für ihre Belange einzutreten. Gleichfalls soll das Verständnis unter den Zielgruppen durch Begegnung, Kommunikation und gemeinsame Aktivitäten geweckt und gefördert werden. Daraus resultierende niederschwellige (Gruppen)-Angebote werden im BMH als Basis, Ort der Begegnung und Vernetzung umgesetzt. Im Sinne einer permanenten Weiterentwicklung und Verstetigung des BMH konnten wir die Stadt überzeugen ab 1.8.2020 parallel zum lfd. Projektzeitraum (verl. bis 31.12.2020) das zweijährige, darauf aufbauendes Projekt „BMH+“, zu finanzieren (Integrationsfonds). Zusätzlich ist für ein BAMF-Projekt (Frauen und Digitalisierung) ab 1.1.2021 ein Antrag eingereicht. Das Beteiligungsverfahren der Stadt Stadthagen (Integrationsbeauftragte und Stadtjugendpflege) ist zur zukünftigen Entwicklung des Quartiers von zentraler Bedeutung und wird gemeinsam umgesetzt. Dabei wird von der hervorragenden Vernetzung der beteiligten Institutionen und der Bewohner-Arbeitsgruppe partizipiert. Ziel ist u.a. die Neugestaltung des Spielplatzes und die konkrete Realisierung eines Soccer-Parks für Jugendliche unter der Beteiligung der Bewohner - gemeinsame Aktivitäten bieten immer die Möglichkeit zur Kommunikation und Entwicklung gegenseitigem Verständnis.
Ausgangslage
Die Bevölkerung im Quartier verändert sich (Stand 31.7.2020: -95 Ew., -159 Deutsche, +64 Ausländer). Das BMH wird immer stärker frequentiert (über 2.600 Menschen in 2019). Diese sehr positive Entwicklung führte wiederum zu neuen Gruppen- und Beratungsangeboten, die bedarfsorientiert geschaffen wurden. Die Beratung zur Integration in den Arbeitsmarkt entwickelte sich zu einem markanten Schwerpunkt. Die Randlage, die fehlende Infrastruktur und wenige Freizeitmöglichkeiten verschärfen weiterhin die Situation in der Weststadt. Deshalb hat die Stadt gemeinsam mit dem BMH das bürgerschaftliche Beteiligungsverfahren initiiert, um der prekären Situation im Quartier entgegenzuwirken. Neue Migrantenvereine gründeten sich mit Hilfe des BMH und engagieren sich nun auch aktiv im Quartier. Der Austausch mit Bewohnern, Vereinen und Institutionen ist auf dem richtigen Weg. Quartiersbewohner der sog. „Mittelschicht“ nutzen das Angebot verstärkt. Nun gilt es, verstärkt Konflikte hinsichtlich verschiedener Gruppen, Kulturen und Generationen zu bewältigen. Neben Nachbarschaftsproblemen stehen insbesondere auffallende junge Menschen mit Migrationshintergrund im Fokus von Polizei, Politik und Lokalpresse. Gefragt ist hier nun ein proaktiver Streetwork-Einsatz. Weil diese vielfältigen zunehmenden Aufgaben im Quartier nicht mehr nur von einer „Quartiersmanagerin“ bewältigt und erledigt werden können, wurde finanziert durch den Integrationsfonds das ergänzende Projekt „BMH+“ (Arbeitsmarktintegration und Ausbau der Angebote) gestartet.
Ansatz und Methodik
Wir wollen die Gemeinwesenarbeit als prozessorientiertes, partizipatives und interdisziplinäres Arbeitsprinzip nutzen, um bei den Menschen im Quartier dauerhafte Verbesserungen ihrer Lebenssituationen zu erreichen. Dabei orientieren wir uns an deren Bedürfnissen und Interessen und fördern die Teilhabe am ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Leben. Wir werden dabei insbesondere die Selbstorganisationen und vorhandene Selbsthilfekräfte in den Fokus der sozialen Arbeit nehmen. So wollen wir durch konsequente Streetwork die Menschen deeskalierend dazu anregen, selbst aktiv zu werden, um ihre Bedürfnisse und Interessen im demokratischen Verfahren einzubringen. Dabei werden wir zielgruppen- und ressortübergreifend arbeiten (Wohnen, Gesundheit, Arbeit, Freizeit, Bildung, Kultur etc.), um die komplexen Aufgabenstellungen für eine gelungene Integration bewältigen zu können. Wir sehen das Projekt als Bindeglied zwischen den Interessen und Aktivitäten der Menschen und den Ressourcen der Stadt und wollen Aushandlungsprozesse zwischen Entscheidungsträgern aus Verwaltung und Politik einerseits und den Bewohnern andererseits gestalten. Dabei steht die Vernetzung und Kooperation aller Akteure im Vordergrund. Hier sollen Stärken herausgearbeitet und vorhandene Ressourcen und Potenziale im Stadtteil aktiviert und miteinander verknüpft werden, um ein dauerhaft funktionierendes soziales Netzwerk mit einer guten Nachbarschaft zu schaffen und Rahmenbedingungen zu verbessern.