Skip to main content

No Plastic Be Fantastic - Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Nachbarschaftsbüros am Beispiel der Plastikproblematik

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Nachbarschaftsbüros am Beispiel der Plastikproblematik

Das Projekt

Niedrigschwellige Konzepte zur partizipativen Integration von BNE in der Gemeinwesenarbeit (GWA) und gleichzeitiger Aktivierung von Bewohnern in sozial schwachen Quartieren in Niedersachsen sucht man bisher vergeblich. Ziel 1: Das Umweltbildungszentrum Hollen (RUZ Hollen) wird in Kooperation mit vier Nachbarschaftsbüros in Delmenhorst das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) modellhaft am Beispiel der Plastikproblematik in Delmenhorster Brennpunktgebieten zielgruppengerecht in die Sozialarbeit integrieren. Ziel ist, die Mitarbeitenden der Nachbarschaftsbüros in den Quartieren zu Multiplikatoren von BNE auszubilden. Sie werden so zu wirkungsvollen "Change Agents" in einem gesellschaftlichen Umfeld mit besonderen Herausforderungen. Ziel 2 & 3: Die Bewohner der Quartiere werden durch handlungs- und erlebnisorientierte partizipative Aktivierungsmaßnahmen mit niederschwelligem Ansatz in die Lage versetzt, beim Thema Plastik nachhaltig zu denken und zu handeln. Das Konzept GWA mit Umweltbildung zu koppeln ist in Niedersachsen bisher einmalig. Neben einem Leitfaden für die landesweite Übertragbarkeit wird zu einem Austausch eingeladen, damit andere Quartiere von den Erfahrungen profitieren können. Plastik ist Fluch und Segen zugleich und wird weltweit in immer größeren Mengen produziert. Da es nicht verrottet, verbleibt es in der Umwelt. Auch in Deutschland landen trotz eines guten Abfall- und Recyclingsystems noch immer große Mengen als Abfall in der Umwelt - mit gesundheitlichen Folgen für Mensch und Umwelt. Insbesondere in sozial schwachen Quartieren ist ein gedankenloser Umgang mit Plastik festzustellen. Trotz der hohen öffentlichen Resonanz auf das Problem gibt es bisher keine ausgereiften handlungsorientierten Konzepte und standardisiert übertragbare Maßnahmen. Hier setzt das Vorhaben an. Nach der Konzeptionsphase werden für die GWA der Nachbarschaftsbüros Fortbildungen zu BNE und Plastik angeboten. Mit den Bewohnern der Quartiere werden Aktivierungsmaßnahmen durchgeführt und eine Umweltbildungsreihe "Plastik" durchgeführt. Alle Aktivitäten werden über die Projektwebseite, soziale Medien und die lokale und überregionale Presse veröffentlicht. Es werden dauerhafte Strukturen aufgebaut, um die Inhalte und Ergebnisse übertragbar aufbereitet öffentlich zugänglich zu machen. Neben der Berichterstattung wird ein Leitfaden mit Übertragbarkeit für andere Kommunen erstellt. Das Vorhaben hat eine Laufzeit von 15 Monaten.

Ausgangslage

In Delmenhorst leben etwa 82.000 Menschen (2018). Fast 50% der gemeldeten Einwohner leben im Zentrum und von diesen haben die Hälfte einen Flucht- oder Migrationshintergrund, Tendenz steigend. Alphabetisierung und Sprachkenntnisse sind sowohl bei Zugezogenen als auch bei Einheimischen problematisch und Arbeitslosigkeit gehört zum Alltag (Stadt Delmenhorst gesamt: 8,3%, 2018). Der Anteil der Jugendarbeitslosigkeit ist überproportional hoch. Selbstwirksamkeitserfahrungen sind selten. Die Bewältigung des Alltags unter prekären finanziellen Verhältnissen ist für viele Bewohner bereits eine große Herausforderung. Bewusstsein für oder Kenntnis von Klima- und Umweltschutz ist kaum bis gar nicht vorhanden. Verständnis für Sinn und Notwendigkeit nachhaltigen Verhaltens (z.B. nachhaltiger Konsum) ist kaum entwickelt. Kompetenzen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit im Alltag sind entsprechend schwach ausgeprägt. Nachhaltige Verhaltensweisen und Einstellungen werden bislang von den älteren Bewohnern nur wenig vorgelebt und so kaum an die jüngeren Generationen weitergegeben. In Delmenhorst ist die unsachgemäße Entsorgung und das achtlose Wegwerfen von Abfall im öffentlichen Raum (insbesondere Plastik) ständiges Diskussionsthema und ist Gegenstand regionaler Berichterstattung. Diese Probleme sind typisch für viele Städte in ganz Deutschland mit sozial schwachen Quartieren. Bisher fehlen Ansätze, die Probleme nachhaltig zu adressieren. Modellhafte Projekte mit hohem Nachahmungspotenzial können hier eine große Wirkung haben, die weit über das eigentliche unmittelbare Zielgebiet hinausgeht. Hier setzt das Vorhaben pionierhaft und fachbereichsübergreifend an.

Ansatz und Methodik

Im Vordergrund steht die Konzeption und Erprobung eines modellhaften Vorhabens mit landesweiter Übertragbarkeit. Das unmittelbare Lebensumfeld und die Lebensumstände aller Bewohner in den vier Quartieren im gewählten Projektgebiet sollen im Sinne von Abfallvermeidung und der Plastikproblematik verbessert werden. Wissen und Selbswirksamkeitserfahrungen versetzen Berge. Vor diesem Hintergrund werden die hauptamtlichen GWA als sog. "Change Agents" weitergebildet, um den Ansatz von BNE nachhaltig in ihre Arbeit in den Quartieren zu integrieren. Gleichzeitig werden mit den Bewohnern partizipativ entwickelte Aktivierungsmaßnahmen in allen Quartieren durchgeführt. Die Verbesserungen sollen sich sowohl materiell (das Umfeld ist ästhetisch schön, Bewohner können sich umweldfreundlich verhalten, Abfall ist reduziert, weniger Ausgaben für Plastik), infrastrukturell (Grünflächen sind aufgeräumter/sauberer/kein wilder Abfall) und immateriell (Gemeinschaft erleben, Partizipation, Selbstwirksamkeitserfahrungen, kultureller Austausch, wohlfühlen usw.). Zentral ist außerdem der Ansatz, dass alle Bewohner der Quartiere zur Teilnahme eingeladen sind - unabhängig von Bildungsgrad, Herkunft und Tätigkeit. Damit arbeitet das Vorhaben auch ressortübergreifend. Modellhaft und übertragbar soll es zeigen, wie sich mit Umwelt- und Klimaschutz handlungs- und erlebnisorientiert das unmittelbare Lebensumfeld durch niedrigschwellige Weiterbildung und Aktivierungsmaßnahmen verbessern lässt.