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Dissen aktiv

Dissen aktiv - Infrastrukturabbau mit Engagementstrukturaufbau begegnen

nlg 2014 dissen quartiersabgrenzungen

Das Projekt

Die Stadt Dissen, eine Kleinstadt mit ca. 10.000 Einwohnern, ist in den letzten Jahren von einem wirtschaftlichen und infrastrukturellen Abbauprozess betroffen. Aktuell bedroht der mögliche Wegfall vieler hundert Arbeitsplätze durch die Schließung der Homann-Feinkost GmbH viele Dissener direkt und indirekt. Herausforderungen an die regionalen Akteure und die Bürger der Stadt durch den demographischen Wandel kombinieren sich mit Integrationsanstrengungen für eine hohe Anzahl von Bürger/innen mit Flucht- bzw. Migrationsgeschichte. Die Dissener wollen mögliche negative Folgen dieser Entwicklungen nicht passiv hinnehmen; die Caritas möchte Impulse setzen und "Dissen aktiv" unterstützen. Wir bieten mit „Dissen aktiv“ den Aufbau einer zentralen Anlaufstelle an, deren Stärken zu sehen sind im Angebot: • einer ergänzenden allgemeinen sozialen Beratung: vorhandene Angebote vor Ort werden im Sinne der Bewohner/innen genutzt, bedarfsgerecht ergänzt und weiterentwickelt. Das Angebot ist alters-, milieu- und kulturübergreifend. • einer bürgernahen Vernetzungs- und Kooperationsarbeit: in Kenntnis und Kooperation mit weiteren Akteuren vor Ort werden Stärken und Ressourcen von Professionellen und Bewohnerschaft bedarfsgerecht zusammengeführt, initiiert und für neue Angebote vor Ort zielführend entwickelt. • eines nachbarschaftlichen Unterstützungsnetzwerkes: mit engagierten Bürger/innen, Vereinen, Verbänden, Initiativen und der Stadtverwaltung werden integrierte Selbsthilfepotenziale erschlossen und alltagsbezogene Kompetenzen der Bewohnerschaft gestärkt. „Dissen aktiv“ verfolgt niedrigschwellige Ansätze und einen ressourcen- und stärkenorientierten Ansatz: es gilt regionale Probleme als Herausforderungen anzusehen und als Potential für generationsübergeifendes bürgerschaftliches Engagement, das aus vielfältigen individuellen, kulturellen und religiösen Hintergründen gespeist wird. Folgendes Szenario beschreibt beispielhaft, wie sich die drei Säulen der Anlaufstelle gewinnbringend für die Bewohnerschaft ergänzen und gegenseitig fördern: Durch die Sozialberatung können individuelle Notlagen in den Blick genommen und Bedarfe klar benannt werden; daraus lassen sich gemeinsam mit potentiell Engagierten und professionellen Akteuren vor Ort konkrete Projekte entwickeln wie „Kleine Hilfen im Alltag“, "Ersatz-Oma-Dienste", „Freizeitgestaltung“, "Gemeinsam gegen einsam" oder zur Förderung der Sprachkompetenz im Alltag, Fahrdienste

Ausgangslage

Die Stadt Dissen ist trotz ländlicher Lage stark industriell geprägt. Große Arbeitgeber der Lebensmittel- und Fleischindustrie führten über Jahrzehnte zur Ansiedlung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund (insbesondere aus Südeuropa, der ehemaligen Sowjetunion und osteuropäischen Ländern), die nun bereits in der 2./3. Generation dort leben. Diese kulturelle Vielfalt erfordert integrative und zukunftsfähige Gestaltung. In Dissen ist mit der Schließung des Krankenhauses 2014, dem Abbau der Fleischverarbeitenden Industrie und aktuell der drohenden Schließung der Homann-Werke ein kontinuierlicher wirtschaftlicher und infrastruktureller Abbauprozess im Gange. Zukunftsängste und die Suche nach Lösungen prägen die Lebenszusammenhänge der Dissener Bürger und fordern die regionalen Akteure in besonderem Maße. Neben der hohen Migrationsrate ist eine überdurchschnittliche, weiter steigende Überalterung/Unterjüngung der Bewohnerschaft wahrzunehmen. Die gesundheitliche und soziale Versorgung insbesondere alternder Menschen, Vereinsamungstendenzen, Überforderung im Alltag, mangelnde Mobilität bedürfen integrierter Lösungskonzepte. Schon 2014 benannte der Rat der Stadt über das „Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept 2014-2020“ notwendige Maßnahmen weiterer Strukturförderung. Kath. Kirchengemeinde und Caritasverband waren und sind kontinuierlich beteiligt. Im Maßnahmenkatalog finden sich bereits Aussagen zur Notwendigkeit eines verlässlichen Angebots allgemeiner sozialer Beratung, zur Förderung ehrenamtlichen Engagements und nachbarschaftlicher Unterstützungssysteme auf der Grundlage sozialraumorientierten Handelns.

Ansatz und Methodik

Die Vernetzung und Kooperation mit anderen ist eine Chance zur Förderung von nachhaltigen Prozessen, um die Lebensqualität im Sozialraum zu verbessern. Ausgehend von z.B. Foren für Akteure und Bürger*innen, aktivierenden Befragungen und Sozialraumerkundungen und -analysen können gemeinsam innovative Angebote und Arbeitsformen entwickelt werden, die auf die Bedarfe der Menschen zugeschnitten sind. Der Erfahrungsschatz der Menschen vor Ort und die professionelle Kompetenz der Verwaltung, der Wohlfahrtsverbände und anderer Dienste/Einrichtungen haben gut aufeinander abgestimmt, transparent und partizipativ eine optimale Hebelwirkung für Veränderungen. Der Caritasverband für die Diözese Osnabrück war u.a. von 2014 bis 2017 in Ostfriesland und im Emsland beteiligt am bundesweiten Prozess "Gemeinsam aktiv im Sozialraum", der begleitet wurde durch Prof. Dr. Stefan Bestmann, Berlin. Erfahrungen und Erkenntnisse daraus werden in das Vorhaben eingebracht. Die Stadt Dissen ist ins Städtebauförderprogramm "Kleine Städte und Gemeinden" aufgenommen worden, hat aber bislang noch keine Förderung beantragt oder erhalten.