Unterstützungsnetzwerk für internationale Familien, Geflüchtete und Hilfsbedürftige in der Samtgemeinde Salzhausen
Das Projekt
Die Interessengemeinschaft e.V. (InGe) ist als Sozialunternehmen seit 35 Jahren in Salzhausen aktiv. Die Arbeit mit internationalen Familien und die Hilfen für Geflüchtete ist schrittweise über die letzten Jahren entstanden. Seit 2020 bieten wir mit der Nachbarschaftshilfe „Handschlag“ eine Corona-Einkaufshilfe für die ländlich strukturierte Samtgemeinde an. Ehrenamtliche Helfer*innen übernehmen Patenschaften für die 1-zu-1 Nachbarschaftshilfe. Im Rahmen der Gemeinwesenarbeit wollen wir die entstandenen Projektteile zusammenführen und verstetigen. Schon heute unterstützen wir, wo erforderlich, mit allgemeiner Sozialberatung und ggf. auch Vermittlung zu anderen Hilfsangeboten. Diesen Ansatz gilt es, mit Hilfe von drei Teilstellen, zu professionalisieren und damit langfristig eine Ehrenamtsbörse zu initiieren. Bedarfe werden zeitnah erfasst, aufgenommen oder weitervermittelt. Hilfreich ist dafür sowohl das vereinseigene Angebot als auch das regionale Netzwerk. Zentral ist z.B. die Kooperation mit der ortsansässigen Tafel „InterZOB“, die coronabedingt ihre Türen nicht mehr für die hilfsbedürftigen Menschen öffnen konnte. Nun obliegt es uns und den Helfern des ehrenamtlichen Fahrdienstes die bedürftigen Haushalte zu beliefern. Neben vielen Familien, Paaren und Einzelpersonen verschiedensten Alters und kulturellem Hintergrund, gehören immer mehr BewohnerInnen aus dem betreuten Wohnen für Senioren dazu, sowie Bewohner*innen der drei Wohnunterkünfte für geflüchtete Menschen. Besonders bei den ausländischen Familien, innerhalb der Unterkünfte, aber auch im privathäuslichem Umfeld, tauchen immer wieder zusätzliche Bedarfe auf. Ziel ist es dort Entlastung zu schaffen, z.B. durch die Bereitstellung von Beschäftigungsmöglichkeiten, Beratung bei der Kindererziehung und der Gelegenheit des Austauschs zur aktuellen Situation. Unser besonderer Fokus liegt in der Schnittstelle zwischen Schule und Elternhaus. Es gilt Schreiben der Schulen und Kitas adäquat zu übersetzen, Homeschooling zu unterstützen und auch individuelle Hilfen zu installieren. Während des Distanz-, Wechsel- und Home-Unterrichts war es oberstes Ziel, Kindern den so wichtigen Anschluss ans Bildungssystem zu erhalten oder überhaupt erst zu ermöglichen. Im Bereich Schule, Jugendhilfe und Bildungsarbeit mit geflüchteten Familien, können wir schnelle Hilfen installieren und greifen hier auf Erfahrungen von mittlerweile 12 Jahren zurück. Wichtig ist uns die Menschen im Gemeinwesen partizipativ zu beteiligen.
Ausgangslage
Die Zuwanderung hat sich in den letzten Jahren im Landkreis Harburg sehr dynamisch entwickelt. Hierzu gehören Zuzüge aus dem europäischen Ausland, aber auch eine deutlich gestiegene Zahl von Zuwanderungen aus Kriegs- und Krisenländern. Bereits 2015 lebten Menschen aus 39 (!) Nationen in Salzhausen. Heute existieren 3 Flüchtlingsunterkünfte in der Samtgemeinde. Ein Umzug in privaten Wohnraum in Dörfer und Ortsteile der ländlichen Region stellt unsere "Quartiersarbeit" vor besondere Herausforderungen. An den Schulen zeigen sich uns seit Jahren die Grenzen, aber auch Möglichkeiten der Integration. Schule allein kann die komplexen Bedarfe von ausländischen Familien nicht kompensieren. Sprachliche Barrieren werden nur punktuell aufgegriffen, die Unterstützung für die Kinder ist abhängig vom Einsatz und dem Engagement der Schulen und der Fördermöglichkeiten durch die Landesschulbehörde. Auch die ältere Bevölkerung steht vermehrt im Fokus: im Landkreis Harburg lässt sich der demographische Wandel durch eine Verschiebung der Altersstruktur klar erkennen. Angehörige alter und hilfsbedürftiger Menschen wohnen vielfach nicht mehr in der Nähe, so dass die Versorgung Hilfsbedürftiger durch Institutionen oder ehrenamtlich Helfende übernommen werden muss. Insgesamt verfügen die Mitgliedsgemeinden teilweise über keine ausreichende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Das Bemühen einzelner Personen und Gruppen ist schon seit langer Zeit hoch, nur fehlt es in einigen Bereichen an einer Vernetzung der Hilfsangebote, wodurch Ressourcen teilweise verschwendet werden. Cornabedingt ruhen Hilfen und Angebote oder sind stark eingeschränkt. Hier gilt es neue Wege zu finden.
Ansatz und Methodik
Schon in der Gründungssatzung unseres Vereins wurden 1986 grundlegende Punkte der Gemeinwesenarbeit als Basis der bevorstehenden Arbeit benannt. Der generationsübergreifende Gedanke, aber auch die Belange von hilfebedürftigen und kranken Menschen, bilden bis heute das Fundament unseres Tuns. Der ehrenamtliche Vereinsvorstand sowie alle beteiligten MitarbeiterInnen und weiteren ehrenamtlichen HelferInnen, haben aufgrund der vielfältigen Arbeitfelder einen guten Überblick in die Bedürfnislagen der Menschen vor Ort. Diese schnell, flexibel und niedrigschwellig aufzugreifen gelingt uns seit Jahrzehnten in vielerlei Projekten und beruht vor allem auf einem großflächigen Netzwerk. Zu diesem gehören neben öffentlichen Einrichtungen vor allem auch Vereine, Helferkreise und private, einflussreiche Einzelpersonen. Da sich in unserem Verein jede Altersgruppe wieder findet und auch Themen wie Zuwanderung und demographischer Wandel immer mitgedacht wurden, sind unsere Angebote sozialräumlich und ressortübergreifend. InGe ist mittlerweile eine wichtige Anlaufstelle vor Ort geworden, rund um Pflege und Betreuung, aber auch bezüglich Angebote an Schulen, wie Schulkindbetreuung, Schulassistenz und Müttercafé international. Gleichzeitig vernetzen wir bestehende Strukturen und versuchen den Bewohnerinnen und Bewohnern in der Samtgemeinde Salzhausen einen Roten Faden in der Vielfalt der Angebotsstruktur zu vermitteln.