Kommunale Intelligenz (Hüther 2013) ist ein Aufruf, aber auch ein Ansatz zur Potentialentfaltung in den Kommunen. Dieser Ansatz soll in dem Dorf Lüder herausgearbeitet und in ersten konkreten Maßnahmen modellhaft umgesetzt werden. Im Sinne des Ansatzes soll das mit den Einwohnern, der Gemeinde, den Vereinen und Verbänden und den Unternehmen vor Ort gemeinsam geschehen, um Lösungen für die Zukunft als Wohnort mit adäquater Versorgungsstruktur zu finden. Dabei spielen die Bereiche Daseinsvorsorge, Digitalisierung und Versorgungsstrukturen eine besondere Rolle. Im Kontext Daseinsvorsorge soll mit der Samtgemeinde und Gemeinde und Bürger_innen erarbeitet werden, was Daseinsvorsorge bedeutet und wie sie heute und für die nähere Zukunft realisiert werden kann. Im Bereich Digitalisierung soll die App "Digitale Dörfer 2.0" des Franhofer-Instituts für das Dorf Lüder entwickelt und modellhaft erprobt werden (Versorgung, Termine und Angebote sowie Informationen). Die Versorgungsstrukturen spielen für die Zukunft des ländlichen Bereiches eine große Rolle, weil die Erreichbarkeit von Lebensmitteln eine Grundvoraussetzung für den Verbleib im dörflichen Kontext ist. Hier soll geprüft werden, ob mittels einer Depotlösung eine Versorgung mit regionalen Angeboten (Bauern, lokale Märkte) gewährleistet werden kann, die wiederum mittels App gesteuert werden könnte. In dem Projekt geht es insgesamt um einen Zukunftsentwurf angesichts der bekannten, sich auch immer mehr abzeichnenden Strukturen (Überalterung, mangelhafter ÖPNV, zunehmende Immobilität der Büger_innen, fehlende Fachkräfte etc.). Exemplarisch und modellhaft soll in Lüder erprobt werden, was bereits heute realisierbar ist im Hinblick auf die nähere Zukunft (20-30 Jahre) und wie die Ansätze der Potentialentfaltung als Gemeinwesenressource zum Erhalt und Gestaltung des Lebensraumes genutzt werden können.
Ausgangslage
Das Dorf Lüder (mit ca. 1000 Bewohnern) im Süden des Landkreises Uelzen ist typisch für den ländlichen Raum in Niedersachsen: Es ist geprägt von einer überalternden Bevölkerung, die lokale Grundschule ist geschlossenen worden und die meisten Arbeitsplätze sind meistens mit längeren Fahrzeiten verbunden (Richtung Uelzen, Gifhorn, Wolfsburg und andernorts). Die regionale Versorgung ist unzureichend, weil eine schlechte regionale Infrastruktur besteht (Einkauf, ÖPNV etc.) und für alle Personengruppen längere Wege notwendig sind, um Versorgungseinheiten zu erreichen (wie z.B. medizinische Versorgung). Im Kontext des Bundeswettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" hat sich Lüder bereits auf den Weg gemacht und als Dorfgemeinschaft gefunden, um als Lebensort in die Zukunft zu gehen. So gibt es ein Unternehmernetzwerk, die Vereine und Verbände koordinieren sich, es ist (in privater Trägerschaft) eine Grundschule entstanden und direkt nebenan hat dort eine Tagespflege für Senioren eröffnet, wo intergenerativ lebenslanges Lernen praktiziert werden soll. An diesen Prozess soll mit diesem Projekt angeknüpft und im Hinblick auf die Zukunft konstruktiv weitergeführt werden. Mittels des Ansatzes der Kommunalen Intelligenz (Hüther 2013) soll ein neue Ansatz von Gemeinwesenarbeit zugrunde gelegt werden, wonach Potenzialentfaltung ein Schlüsselwort der Zukunftsgestaltung ist.
Ansatz und Methodik
Mit der Kommunalen Intelligenz geht es um die Entwicklung von (Selbsthilfe-) Potentialen, die bei den Bürger_innen vorhanden sind, aber bisher noch nicht umfassend genutzt werden. Damit bekommt Gemeinwesenarbeit noch einmal eine akzentuierte Bedeutung, indem Kommunale Intelligenz als Raster eingesetzt wird. Zum Aufbau von Versorgungsstrukturen verschiedenster Art für die Zukunft benötigt es (Vorlauf-und Entwicklungs-) Zeit, was angesichts des jetzt einsetzenden, sich noch verschärfenden demographischen Wandels ein guter Zeitpunkt ist. Das ist noch einmal besonders bestätigt durch die jüngste Studie des Berlin-Instituts zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, wonach Uelzen auch in Niedersachsen zu den peripheren Regionen gehören wird. Außerdem soll an die konstruktiven Erkenntnisse aus dem Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" angeknüpft werden, die jetzt noch lebendig sind. Damit leistet Gemeinwesenarbeit in dieser Form einen Ansatz für die Zukunft einer Region und zwar so, dass zwar Impulse gegeben werden, aber die Ausgestaltung mit und durch die Bürger_innen erfolgt. Damit ist ein nachhaltiger, zukunftsweisender Weg für eine Kommune und deren Bewohner_innen unter Einbezug der Lokalpolitik ersichtlich und dann modellhaft erprobt.