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Gemeinsam Lamspringe

Vernetzung und Stärkung der Gemeinwesenarbeit in der Gemeinde Lamspringe

Das Projekt

In der Gemeinde Lamspringe gibt es ein aktives Vereinsleben und Gemeinwesen. Im Rahmen der Kirchengemeinden, der Feuerwehr, Sportvereinen und anderen Zusammenschlüssen wird Jugend-, SeniorInnen- und Gemeinwesenarbeit geleistet. Es gibt zudem regionale Beratungsangebote in umliegenden Ortschaften wie Bad Salzdetfurth, Bockenem und Alfeld sowie in der Kreisstadt Hildesheim. Aufgrund der schlechten infrastrukturellen Anbindung der Gemeinde, ist es jedoch insbesonders für Menschen mit Beratungsbedarf aufgrund finanzieller, gesundheitlicher oder anderer Gründe nicht möglich diese Angebote wahrzunehmen. Strukturierte Gemeinwesenarbeit direkt in der Gemeinde gewinnt vor dem Hintergrund eines vermehrten Zuzugs geflohener Menschen, einer alternden Gesellschaft und dem Wegbrechen traditioneller familiärer und nachbarschaftlicher Versorgungsstrukturen zunehmend an Bedeutung. Bei Behördenangelegenheiten wie dem Stellen von Anträgen bemerken die Verwaltungsmitarbeitenden der Gemeinde insbesondere im Bereich Schwerbehinderung und Pflege hohen Bedarf. Auch junge Familien mit geringem Einkommen sind oft mit den Anträgen und Strukturen im Bereich Bildung und Teilhabe überfordert. Hier wird seitens der Gemeinde sowie der Schulen und Kindertagesstätten unterstützt, es sind jedoch nicht ausreichend personelle bzw. die dafür notwendigen finanziellen Ressourcen vorhanden. Bereits vorhandene Missstände wurden durch den Zuzug von geflüchteten Menschen noch deutlicher. Was bereits für eine Familie oder einen alten Menschen mit deutscher Muttersprache schwierig zu bewältigen ist, erweist sich hier als nahezu unmöglich. Der Gemeinderat hat sich daher entschieden eine halbe Stelle Flüchtlingssozialarbeit zu finanzieren. Diese Integrationshelferin kann durch Case- Management im Einzelfall unterstützen. Aufgrund des hohen Einzelfallbedarfs reichen auch hier die Ressourcen nicht, um einen breiteren gemeinwesenorientierten Ansatz zu verfolgen, der präventiv wirkt. Trotz grundsätzlicher Offenheit der Vereine und Einrichtungen, werden oft eher die sozialen Gruppen angesprochen, die bereits über kulturelles und soziales Kapital verfügen. Durch das Modellprojekt wird die fehlende personelle und finanzielle Ressource geschaffen, die es ermöglichen soll (Beratungs-)Angebote und Veranstaltungsformen zu testen und ein Konzept für eine langfristige und nachhaltige Quartiersarbeit zu entwickeln.

Ausgangslage

In die Gemeinde Lamspringe wurden seit dem Jahr 2015 im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis Hildesheim und gerechnet auf Größe und EinwohnerInnenzahl die meisten geflüchteten Menschen zugewiesen. Insbesondere durch das starke ehrenamtliche Engagement der Kirchengemeinden und vieler Privatpersonen werden diese neuzugezogenen Menschen beim Ankommen in der Gemeinde unterstützt. Seit 2016 wird diese Arbeit durch eine hauptamtliche Integrationshelferin ergänzt. Hinzu kommen regionale Angebote von Wohlfahrtsverbänden zur Integrationsberatung und Unterstützung des Ehrenamtes, die sich auf den ganzen Landkreis beziehen. Die Regeldienste, Vereine und Unternehmen in Lamspringe zeigen insgesamt Offenheit und Unterstützungswillen. Durch einen bereits seit 2015 bestehenden Runden Tisch wurde dieser Wille zum Engagement aller Seiten signalisiert. Es gab und gibt viele tolle Ideen, wie zum einen die geflüchteten Menschen tatsächlich in die Vereine und Gemeinschaft integriert werden und an der Gesellschaft teilhaben können, zum anderen auch andere BewohnerInnen aktiviert und in die Gemeinwesenarbeit einbezogen und somit Angebote mit und für alle BewohnerInnen geschaffen werden können. Aufgrund vielseitiger Verpflichtungen aller AkteurInnen kann jedoch nur ein Bruchteil der wichtigen und notwendigen Ideen in die Tat umgesetzt werden. Diese fehlende personelle und finanzielle Ressource wird durch das Modellprojekt geschaffen. Durch das Projektpersonal sollen die vorhandenen Netzwerke aufgegriffen, unterstützt und ausgeweitet werden. So profitieren langfristig alle BewohnerInnen von dem im Rahmen des Flüchtlingszuzugs entstandenen verstärkten Engagements.

Ansatz und Methodik

Durch stärkere Vernetzung der Institutionen im Sozialraum wie den Bildungsstätten, den Ausschüssen des Gemeinderats und Vereinen wird das Gemeinwesen insgesamt entwickelt. Es geht um die Vernetzung der Bewohnerinnen und Bewohner unter deren Einbeziehung Strukturen geschaffen werden sollen, die zu kollektivem Empowerment führen. Die Möglichkeit zur Teilhabe für alle Menschen soll geschaffen werden. Durch Begegnungs- und Austauschangebote soll gegenseitiges Verständnis füreinander geschaffen und ein nachbarschaftliches Miteinander gestärkt werden. Die darausfolgende Akzeptanz hat präventiven Charakter, was soziale Konflikte betrifft, sodass ein Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Alters, ethnischen Ursprungs, Geschlechts etc. möglich ist. Durch die verstärkten Netzwerke auf persönlicher wie auf struktureller Ebene wird es zu einer Qualitätssteigerung der sozialen Beziehungen kommen. Auch infrastrukturelle Bedingungen können im Idealfall verbessert werden, da es im Rahmen des Projektes zu neuen Ideen und Ansätzen einer gemeinschaftlich organisierten Mobilität kommen kann. Durch verstärkten Austausch und nachbarschaftliche Hilfe kann auch der umfangreiche Beratungsbedarf vermindert werden. So können die Menschen auf (Beratungs-)Institutionen zurückgreifen, aber zur Bewältigung ihres Alltags nicht davon abhängig sind, da sie zur Selbsthilfe befähigt werden. Als Modellprojekt hat es lokalpolitischen Einfluss, da Gemeinden im Landkreis es aufgreifen können.