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Quartier im Wandel

"Meine Stimme zählt!"

berliner strasse , quartier berliner strasse

Das Projekt

Syke ist eine Kleinstadt im ländlichen Raum, 20km südlich von Bremen gelegen. Die Stadt wird durch die Verkehrsader B6 mit anderen Kommunen verbunden. Der öffentliche Nahverkehr ist unzureichend, ohne Auto sind die Menschen deutlich in der Mobilität eingeschränkt. Es gibt wenig günstigen Wohnraum. Investoren bauen Quartiere im hochpreisigen Segment, sozialer Wohnungsbau wurde vernachlässigt. Der Mietraum, der für die Grenzen der Transferleistungen ausgelegt ist, wird häufig durch wechselnde Hausverwaltungen angeboten und weist i. d. R. eine deutliche Verwahrlosung auf. So sind Straßenzüge entstanden, in denen das Abbild von Arm und Reich über den Zustand der Hausfassaden und Außenanlagen sichtbar wird. Durch den Zuzug von Flüchtlingsfamilien und die Zunahme von Kindern bildungsferner Familien verändert sich die Stadt. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind z.B. ohne Aufsicht in der Stadt zu beobachten und "hängen ab". Die Grundschule meldet zudem vermehrt Kinder, die trotz BuT nicht am Schulessen teilnehmen können, da die Eltern schon damit überfordert sind, den Zettel auszufüllen und einzureichen. Manche Kinder kommen ohne Frühstück zur Schule oder haben kein Essen mit. Der Kinderarzt gibt außerdem an, dass er immer mehr Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten behandeln muss. Häufig mit Eltern, deren Erziehungskompetenz schon nicht für die Alltagsbewältigung ausreicht. Dazu kommen mangelnde Deutschkenntnisse. Es fehlt das gegenseitige Verständnis: Eltern können nur schwer formulieren, was sie für den Alltag und die Fürsorge der Kinder benötigen. Es fehlt an Vernetzungen der Träger wie Jugendhilfe, Beratungsstellen, Ärzten, Politikern, Stadtplanern, etc. und letztlich das Miteinbeziehen der Betroffenen. Politiker können sich trotz Hilfsmitteln wie BuT, nicht vorstellen, warum Kinder nicht am Schulessen teilnehmen können. Anwohner werden nicht befragt welche Buslinie/Haltestelle sinnvoll wäre und nicht informiert, wie man überhaupt als Zugewanderter solche Verkehrsmittel nutzt. Obwohl Syke ländlicher Raum ist, wissen viele Zugewanderte nicht, welche Früchte hier wachsen. Sie kommen zudem nicht über das Stadtgebiet hinaus, sind noch nie in Bremen auf der Kirmes gewesen oder haben mit ihren Kindern das Universum besucht. Bildungsstätten und Kulturangebote außerorts werden gar nicht in den Bezug zur eigenen Lebenswelt erlebt. All diese Defizite können nicht sofort mit der GWA gelöst werden, aber sie weisen auf: GWA ist in Syke mehr als nötig.

Ausgangslage

Betroffene werden nicht befragt und nicht selbst befähigt, ihre Lage zu verändern. Ein beginnendes Problem: Kinder werden trotz BuT vom Mittagessen der örtlichen Grundschule ausgeschlossen. Über die Lebenslage der Familien ist wenig bekannt, sie kommen aber überwiegend aus einem Quartier. Viele Kinder fallen schon früh durch die Maschen, da es hingenommen wird, wenn erste Verwahrlosungsanzeichen sichtbar werden oder es herrscht Hilflosigkeit, wie auf diese Familien zugegangen werden kann. Die Kinder gleiten ab in ihre eigene Welt und müssen sich außerhalb der Familien und Lernorte Erfolgserlebnisse holen. Jugendhilfe und Schulen berichten von Kindern, die verhaltensauffällig sind und erste Straftaten begehen, ohne dass diese aufgrund der Strafunmündigkeit Konsequenzen herbeiführen. Bei vielen Lebensläufe unserer jungen Klienten wird schon in der frühesten Kindheit deutlich, dass diese Heranwachsenden scheitern werden, da sie nie gelernt haben, sich im Gesellschaftssystem zurechtzufinden. Hilfseinrichtungen wie Kinderarzt, Fachdienst Jugend, Schule und Ehrenamtlichen sind die Familien schon früh bekannt, es gibt aber kaum Vernetzung und eine effektive Hilfestruktur. Diese Lebensläufe können wir nicht im Einzelnen sofort verbessern, aber langfristig und nachhaltig können die Wohnsituation, die Hilfsangebote und deren Erreichbarkeit sowie die Rolle der Mitspieler beeinflusst werden. Familien aus der Isolation zu befreien und deren eigene Kompetenzen zu stärken muss ein Ziel unserer Arbeit sein. Bewohner der betroffenen Straßen müssen gehört werden und gerade die Jüngsten brauchen Menschen, die früh ihre Bedürfnisse erkennen und so deren Lebenswege unterstützen.

Ansatz und Methodik

Lebensqualität vor Ort steigern. Bürger, Anwohner mobilisieren und Meinungsmacher für das Projekt gewinnen. Lust aus Frust, d.h. mein Lebensumfeld selbst gestalten und meinen Kindern verdeutlichen, was eigenes Engagement bewirken kann. Die Teilnahme am Schulessen ist "nur" ein Ziel, welches zum Themenfeld gehört, die Kinderarmut in Syke zu beheben. Deshalb ist es uns wichtig, auch die Kinder in den Prozess mit einzubeziehen und diese nach ihrer Meinung über den Stadtteil zu befragen. Mit Angeboten für die Kinder möchten wir die Eltern erreichen. Ein Beispiel: Gewaltfreie Kommunikation soll für die Kinder angeboten und so in die Familien hineigetragen werden. Wichtig ist es, die Umwelt und den sozialökunomischen Kontext der Bewohner miteinzubeziehen. Die individuellen Erfahrungen mit den empfundenen Belastungen sowie Ressourcen müssen berücksichtigt werden, da sich die Probleme konkret auf diesen Stadtteil und dessen Bewohner richten. Das Wohl des Gemeinwesens und das der Bewohner liegen eng beieinander, daher müssen Themen sowie Meinungen erforscht werden, um gemeinsame Lösungsstrategien zu entwickeln. Aktivierende Befragung werden durchgeführt, aber auch Versammlungen von Anwohnern. Es werden harte Fakten über das Quartier erhoben aber auch das emotionale Klima erfasst. Experten und Betroffene werden in Einzelinterviews befragt und können als Steigerung in eine Bürgerversammlung münden.